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Full text of "Vita sancti Honorati herausgegeben nach drei Handschriften"

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FOREIGN 

DISSERTATION 

30960 


8 2623943 


J 



VITA SAN CTI HONOR ATI 


HERAUSGEGKBEN NACH DREI HANDSCHRIFTEN 


INAUGURAL- DISSERTATION 


ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE 

DER 

HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT 


VEREINIGTEN FRIEDRICHS - UNIVERSITÄT 

HALLE - WITTOIDEnC 



VOKGKLROT 



VON 



DRUCK VON EHRHARDT KARRAS 

1911 


Go gle 


Referent: Prof. Dr. Suchier. 


Mit Genehmigung der hohen philosophischen Fakultät erscheint 
nur ein Teil der eingereichten Arbeit als Dissertation. Vollständig 
wird sie veröffentlicht in Heft XXXII der 

Beihefte zur Zeitschrift für Romanische Philologie 

herausgegeben von Dr. Gustav Gröber. 

Verlag von Max Niemeyer in Halle a. S. 


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Meinen lieben Eltern 


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I. Hauptteil: Vorbemerkungen. 


Überlieferung. 

Die aus dem Mittelalter in verschiedenen Sprachen überlieferte 
Lebensbeschreibung des heil. Honorat und das in den meisten 
Darstellungen damit zusammenhängende Martyrium des heil. Porcarius 
bildeten in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts den 
Gegenstand eingehender Erörterungen einiger Romanisten. Den 
Anlafs dazu bot A. L. Sardou mit der Ausgabe des prov. Textes 1 
sowie die Auffindung der lat. Vita in verschiedenen Hss. Besonders 
tätig zeigte sich hierbei der bekannte Romanist Paul Meyer. Ein 
Verzeichnis jener Publikationen einschliefslich Hss. usw. gibt Albanes- 
Chevalier „Gallia Christiana Novissima“, Bd. III, No. 48. Die da- 
maligen Diskussionen schlofs Meyer — und seitdem ist über diesen 
Gegenstand aufser einem kleineren Aufsatz von Meyer in Bull. hist, 
et philol. 1907 No. 3 u. 4 nichts weiter veröffentlicht worden — in 
Rom. VIII, pg. 486 ff. mit dem Wunsche nach einer Ausgabe des 
„texte des legendes latines de saint Honorat et de saint Porcarius“. 
Dem soll in dieser Abhandlung entsprochen werden. 

Zunächst eine Übersicht über das Material, in dem uns die 
Lebensbeschreibungen vorliegen. Ich werde mich dabei z. T. an 
Alban&s-Chevalier ( 1 . c.) anschliefsen, ohne im einzelnen zu wieder- 
holen, was dort schon gesagt ist, und indem ich bei Aufzählung 
der nicht-lat. Darstellungen mich auf die mir vorliegenden beschränke. 

Die lat Vita ist in folgenden Hss. erhalten: 

1. D 2 = Hs. des Trinity College zu Dublin. Anfang des 
14. Jahrhunderts. Es fehlen eine Anzahl Wundererzählungen, und 
zwar Kap. 40 a, 41 a — i, 43 a — b, 46 a. Einige Stellen sind bereits 
durch Meyer ( 1 . c.) abgedruckt, leider mit einer ganzen Anzahl von 
Fehlern. Der Text umfafst die letzten 27 Blätter (pg. 345 — 398) 
der Hs., die ich der Einfachheit halber als pg. 1 — 54 zählen will. 

1 „La Vida de Sant Honorat, par Raymond Feraud“, Nice 1875. 

3 Mit grofsen Buchstaben bezeichne ich das den lat. Haupttext dar- 
bietende Material; Umarbeitungen und nicht-lat. Texte bezeichne ich mit 
kleinen Buchstaben. 

I 


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2 


Jede Seite enthält 39 Zeilen. Alle den Text betreffenden Zitate 
werden nach dieser Hs. und dieser Zählung erfolgen. 

2. R = Hs. des Fonds Albanes, z. Z. in Privatbesitz in 
Romans. Nach Albanes-Chevalier ( 1 . c.) 1 4. — 1 5. Jahrhundert, während 
übereinstimmend die Professoren Heldmann und Goldschmidt von 
hiesiger Universität die Hs. im 1. Viertel des 14. Jahrhunderts, ev. 
schon um 1300 ansetzen. Die vollständigste aller erhaltenen Hss. 
Kap. 46 a des Textes ist nach R wiedergegeben bei Albanes-Chevalier, 
Bd. III, No. 95. 

3. P = Hs. der Biblioth. Nation, zu Paris. 14. Jahrhundert. 
Die Hs. befand sich früher im Besitz eines Karthäuser Klosters, 
wie die Überschrift zeigt: Domus beati Andree de litore ordinis 
cartusiensis, signatus L h. 1 Sie ist unvollständig, denn sie erzählt 
nur den ersten Teil der Legende bis zum Tode Honorats (pg. 37 , 6 )- 
Aufserdem fehlen zwischen fol. 26 und 27 der Hs. noch 2 Blätter, 
die den Text enthielten von pg. 34,13 preposuit bis pg. 36,30 quorum. 
Pg* 18,34 Honoratus bis 19,! caritatem und 20, 13 Suscipientes bis 
2i, t6 prouidisset sind abgedruckt durch P. Meyer in Bull, hist et 
philol. (1. c.).2 

4. O = Hs. der Bodleian Library zu Oxford. Geschrieben 
1449. Unvollständig, denn es fehlt das Martyrium des Porcarius. 
Die Hs. ist nicht sonderlich gut, wie die von Stengel in Zeitschr. 
f. rom. Phil. Bd. III, pg. 61 1 aufgezählten Entstellungen zeigen. Da- 
selbst auch kleinere Teile abgedruckt. Aufserdem ist pg. 35,5 
Uenerabilis bis 35,20 dicens wiedergegeben durch Meyer in Bull. (l.c.). 

5. macht Meyer in Rom. VIII, pg. 633 auf eine weitere Hs. 
aufmerksam, die sich in der Bibliothek der Maria von Aragonien 
befand, seitdem aber verschollen ist Nach den wenigen abgedruckten 
Worten mufs die Hs. sehr verderbt gewesen sein. 

Die unter 1 — 3 aufgezählten Hss. haben mir durch das Ent- 
gegenkommen der Besitzer in Photographieen oder im Original zur 
Verfügung gestanden. Aus Oxford dagegen erhielt Verfasser auf 
sein Gesuch um leihweise Überlassung der Hs. O den Bescheid, 
„that the Bodleian never lends a Ms. for the use of a university- 
student“. Von O haben daher nur die wenigen durch Stengel und 
Meyer wiedergegeben Stellen berücksichtigt werden können. 

1 Ich vermute, dafs dieses Kloster das in Gallia Christians Bd.I, Spalte 871 
erwähnte „nobile ss. Andreae, Martini et Caesariae monasterium, in Monte-Andaone, 
vulgo S. Andr6 de Villeneuve lez Avignon“ ist. Nach Gallia Christians (1. c.) 
war dies ein Benediktiner -Kloster; Le Vasseur erwähnt es aber in Ephe- 
merides Ordinis Cartusiensis Bd. V im Index unter den Cartusiae. Gallia 
Christians kennt Bd. I, Spalte 600 noch eine „abbatia sancti Andreae“ „in 
insula Camariae sive de Camaricis“; Le Vasseur (1. c.) erwähnt diese nicht. 

* Wenigstens behauptet Meyer, die Hs. P wiederzugeben. In Wirklich- 
keit aber finden sich in dem Abgedruckten eine Anzahl Stellen, die nicht aus 
P sein können, so 20„ 6 totaliter (fehlt in P); 20 m moventem (P nomen tenes); 
20 , „ uberanter (P uehementer); 20, 86 Existentibus . . . populis (P Existentes . . . 
populi) u. a. 


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I 

3 

Weiter ist von lat. Fassungen ein Druck (v) zu nennen von 1501, 
neu aufgelegt 15 11. Dieser stellt eine kürzere Bearbeitung der voll- 
ständigen hsL Vita dar. Das auf der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek 
zu München befindliche Exemplar wurde von mir benutzt. Teile 
aus v sind mehrfach abgedruckt (cf. Albanes-Chevalier, Bd. ID, No. 48). 

Einige kürzere Abschnitte, die mit der lat. Vita in enger Be- 
ziehung stehen, finden sich sodann in den Acta Sanctorum; nämlich 

1. zum 16. Januar „Lectiones de S. Honorato. Ex vetere 
Breviario Eccl. Massilien.“ (L), ein wörtlich mit den Hss. überein- 
stimmendes Bruchtsück, enthaltend pg. i 8, 34 Honoratus igitur bis 
19,! 5 ad gloriam sempitemam (L schreibt a. g. supernorum). Diese 
Stelle fehlt in v, sodafs ein Einflufs von v ausgeschlossen ist. 

2. zum 12. August eine nur teilweise wörtlich mit der Porcarius- 
Legende der Hss. übereinstimmende Erzählung „Martyrium (sc. sancti 
Porcarii). Auctore anonymo, ex editis apud Surium ad diem XII. 
Augusti“ (a). Surius seinerseits — Bd. VIII aus dem Jahre 1618; 
ich habe den Band leider nicht einsehen können — hat die Er- 
zählung wohl erst aus Vincentius Barralis „Chronol. Lerin.“, Lyon 
1613, Bd. I, pg. 220, und dieser druckt sie ab „ex fidelissimis per- 
antiquis manuscriptis ccenobij Lerinensis “. 1 

Ferner finden sich in der eben erwähnten Chronol. Lerin. hier 
und da zerstreut noch einige kurze, vollkommen aus dem Zusammen- 
hang herausgerissene Stellen der lat. Vita; so 

Bd.I, pg.34 (= pg. 2, 19 der Vita): „In manuscriptis Lerinensibus 
perantiquis reperitur quod (sc. sanctus Caprasius) degebat cum sociis 
vitam heremiticam in Miroduna Insula maris Croeti“; oder 

Bd. II, pg. 80, wo mit geringen Änderungen nach einem manu- 
scriptum pg. 45, 30 _ 37 der Vita wiedergegeben werden (B); oder 

Bd. I, pg. 27 — 28 zwei „Hymni in honorem sancti Honorati, ex 
manuscripto breuiarij sancti Monasterij sacrae Insulae Lerinensis“, die 
zweifellos mit der Vita Zusammenhängen; sowie 

Bd. I, pg. 187 ff. ein Leben des heil. Venantius „ex manuscriptis 
Lerinensibus“, das aus der Vita und der Leichenrede des Hilarius 
auf Honorat zusammengestückelt ist. 

In allen diesen Fällen ist aus hier nicht näher zu erörternden 
Gründen der Einflufs des Druckes v ausgeschlossen. 

Eine weitere Stelle zeigt sogar, dafs sie zu der uns erhaltenen 
Hs. P zu stellen ist. 2 Es ist Bd. I, pg. 191 ff. „Vita sancti Caprasii . . 
excepta ex annoso codice eiusdem (sc. Lerinensis) Cenobij“. 


1 Vgl. Rom. Vin, pg. 507. 

* Es beweisen das Stellen wie 

Philosopbise artibus — pg. 2, 18 P pbilosophie artibus — DR pb. auctubus 
annosus plurimum — pg. 14,3g PR longeua annositate — Dl. animositate 
apparuit ei sanctus M. A. — pg. 1 5 >8 P apparuit s. M. a. — DR apparuit eis a. M. 

I* 


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4 


Vielleicht liefsen sich so noch mehr kleinere, aus der Vita ge- 
nommene Stücke finden. Doch das genüge. Denn sie alle dürften 
für die Herausgabe der Vita kaum in Betracht kommen. 

Ebenfalls belanglos ist endlich das durch Meyer in Bull. ( 1 . c.) 
veröffentlichte Bruchstück eines Offiziums des heil. Honorat. Es 
enthält in der Lectio septima wörtlich Teile aus pg. i 8, 37 blandie- 
batur bis 2i, 16 prouidisset und in der Lectio octaua aus pg. 35,5 
Uenerabilis bis 35, 19 Ylarius. 

Soweit die lat. Fassungen. Daneben existieren eine Reihe 
nichtlat. Darstellungen. Die wichtigsten davon sind: 

1. f, die schon oben erwähnte Vida de Sant Honorat, hg. von 
A. L. Sardou. Enthält den Text in der Vollständigkeit der lat. Hs. R. 

2. k, eine katalanische Prosadarstellung, die sich findet in einer 
Hs. der National-Bibliothek in Paris. 1495 auch gedruckt. 1 Der 
Anfang (bis pg. 3,23 der Vita) ist wiedergegeben bei Bruce -Whyte 
„Histoire des langues Romanes“, Bd. II, 406 ff., einige weitere Stellen 
durch Meyer in Rom. VIII, 486 ff. 

Das ist das vorliegende Material. 


Stammbaum der Hss. 

Dieses Material gilt es zu sichten. Wir beginnen mit den lat. 
Hss. und suchen ihren Stammbaum aufzustellen und damit ihr Ab- 
hängigkeitsverhältnis untereinander klar zu legen. O müssen wir leider 
zunächst ganz aufser Betracht lassen wegen Mangels an einer ge- 
nügenden textlichen Unterlage. 

1. Keine der 3 Hss. DPR ist Original, sondern alle 3 hängen 
von einer weiteren (a) ab, die selber nicht Original ist. Das be- 
weist eine grofse Anzahl gemeinsamer Fehler von DPR, von denen 
allerdings der eine oder andere dem Original selbst schon angehört 
haben mag. Über diese Fehler siehe den späteren Abschnitt „Text- 
besserungen“! 

2. DPR scheiden sich deutlich in die Gruppen D und PR. 
Das zeigen die Orthographie von Eigennamen, Wortstellungen, Aus- 
lassungen, Zusätze. Beide Gruppen sind voneinander unabhängig. 
Denn 

a) D übernimmt keine Fehler von PR: 

4,20 D leuatas ad sidera spansas manus, PR fälschlich leuatas 
ad sidera plantas manus — 

8,34 D et alias paucas ex quibus, PR lassen alias paucas ex aus — 


1 Vgl. Conrado Haebler „Bibliografia Ib6rica del Siglo XV.“, La Haya 
und Leipzig 1904, pg. 329 — 330. 


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5 

1 7*22 D pugnis et circumraptis stipulis unusquisque se percutie- 
bat, PR lassen stipulis aus — 

23.14 D mordacissimum detractorem, PR fälschlich mortissi- 
mum d. — 

30.3 D uinxit richtig, P anxit, R auxit — 

31.32 D incepit . .. exigua operari, blande adulari et mordaciter 
detrahere, PR fälschlich detrahi — 

32,34 D ipsum commendans beato Honorato, PR statt dessen 
nur episcopo Honorato (i. c. fehlt) — 

b) PR übernehmen keine Fehler von D: 

14.33 D longeua animositate contractus, PR richtig 1. annositate 
contractus — 

18.3 D Cassiriense, PR Casinensem — 

18.20 D cum tremore per sanctam ambulabat, PR c. t. p. s. 
insulam ambulabat — 

27. 8 D Qui cum nichil inuenisset pafst nicht in den Zusammen- 
hang, wohl aber PR Que cum inficeret (= infiteretur) postulata — 

28.9 D pruinas „Reif“ statt richtig mit PR prunas „glühende 
Kohlen“ — 

32. 15 D ei communicas assuete statt richtig PR eis communicas 
insuete — 

Gegen die Abhängigkeit des R von D spricht vielleicht auch 
schon der Umstand, dafs R eine Anzahl Wunder mehr erzählt als D. 

3. P und R stehen zwar, wie wir eben gesehen, einander sehr 
nahe, sind aber doch unabhängig voneinander. Denn 

a) P übernimmt keine Fehler von R: 

7.8 P legis et generis, R legeneris — 

14.20 P requirentes Consilium ex quesito, R statt dessen Con- 
silium ex quesitio — 

1 8, l5 fehlt R et solliciti studij feruentis religionis nove plan- 
tationis, ist vorhanden in P — 

18,25 P b ea ü Pet«» R beatri — 

24.49 P hgantes restibus sua colla, R 1. r. suas comas — 

25.8 R si errorem et cum quo dicta Tiburgia deliquisset, P 
läfst (wie D) errorem aus — 

b) R übernimmt keine Fehler von P: 

13. 16 R curuato corpore, P cui nato corpore — 

14,42 R timide, P fälschlich timulte — 

21.49 R Honoratus eorum . . . precibus non mutatur, sed . . ., 
P läfst non mutatur aus — 


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6 


3i, 2 o R repudiate uxoris, P unverständlich romuradiate u. — 

Aufserdem finden sich in P eine Anzahl Auslassungen, wo R 
vollständig mit D schreibt. So fehlt P 2, 17 uel etati. Cum uero 
languor ingrauesceret et tabesceret ecclesia uniuersa oder I3, 19 
quadam die dictus episcopus post pluuiarum impetus extra u. a. 

Gegen die Abhängigkeit des R von P spricht vielleicht schon 
der Umstand, dafs R viel umfangreicher als P ist 

4. Aus dem Vorhergehenden ergibt sich, dafs R und P von 
einem gemeinsamen, nicht erhaltenen Mittelgliede (ß) abhängen. 

Wie ersichtlich, habe ich die bisher zitierten Eelege nur aus 
pg. 1 — 37, d. h. dem DPR gemeinsamen Stück des Textes, ge- 
nommen. Demnach läfst sich für dieses Stück mit vollem Recht 
folgender Stammbaum aufstellen, wenn die betr. Teilabschnitte aus 
D und R mit D t und R t bezeichnet werden: 

Original 

I 

a 



P R, 


Fraglich ist dagegen, ob für die noch bleibenden Abschnitte D 2 
und R 2 nicht vielleicht ein anderes Abstammungsverhältnis gilt. Es 
wäre möglich, dafs D 2 oder R 2 aus einer andern Vorlage geschöpft 
hätte als D t oder Rj. Sehen wir uns daraufhin den Text näher 
an, so ergibt sich folgendes: 1 

1. Auch D 2 und R 2 zeigen gemeinsame Fehler (vgl. den Ab- 
schnitt „Textbesserungen“). 

2. Auch D 2 ist unabhängig von R 2 und übernimmt dessen 
Fehler nicht: 

40,} D 2 gratis suscipiens ei nomen imposuit Deodatus, cuius 
mater in puerperio, fehlt R 2 — 

45,22 D 2 supra altare prospiciens, R 2 fälschlich s. a. procidens — 

45,29 munera preciosa, R 2 dagegen uniuersa preciosa — 

52,24 D 2 demonum, R 2 demon non — 


1 Streng genommen können bei dieser Untersuchung die in R 2 über- 
zähligen Wunder nicht mit eingeschlossen sein. Trotzdem sehe ich in R 2 den 
gesamten noch fehlenden Text einschliefslich dieser Wunder, da nach meiner 
Meinung bereits das Original den Stoff enthielt, wie ihn Ra bietet. Ich werde 
das an einer späteren Stelle zu zeigen suchen. 


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7 


3. Auch R 2 ist unabhängig von D 2 und macht dessen Fehler 
nicht mit: 

39,39 fehlt D a das Objekt zu impetrare, R 2 hat prolem — 

40,35 fehlt D 2 das Substantiv zu quemquam, R 2 hat cibum — 

46, 22 nennt D 2 einen Ortsnamen Vnici Milij, während es mit 
R 2 heifsen mufs Vintimilii — 

51,7 D 2 duces Uezianum, R 2 richtig duces Uezianum et 
Arnaudum — 

Anfserdem bietet R 2 einen umfangreicheren Text als D 2 , so- 
dafs wohl schon aus diesem Grunde eine Abhängigkeit des R 2 von 
D 2 abzuweisen ist. 


Ist mit diesen Feststellungen auch für das Verhältnis von D 2 
zu R 2 kein bestimmtes Resultat gewonnen, so sehen wir doch D 2 
und R 2 dem für und R 1 aufgestellten Stammbaum nicht nur 
nicht widersprechen, sondern sich ganz gut hineinfügen. Es erübrigt 
sich daher die Aufstellung zweier Stammbäume, und die Hss. reihen 
sich folgendermafsen aneinander: 


Original 

I 



I 

R 



Fragen wir nun, wo in diesem so weit fertigen Sta: 
einzureihen ist, so finden wir folgendes: 


II II 


bäum 


1. Sehr häufig erscheint die Konstellation D — PRO. Es läfst 
sich das sowohl an einer grofsen Anzahl von Belegstellen als auch 
daran erkennen, dafs PRO an genau denselben Stellen Abschnitte 
bilden. Beispiele: 

i, 28 D filium, PRO puerum — 

% 

10. 24 D Bauarre, PRO Bauarie — 

* 1 5*22 D eüm, PRO fehlt — 

16. 24 D palmarum, PRO palme — 
i 6, 27 D operatus fuerat, PRO f. o. — 

18,3 D beati, PRO sancti — 

Infolge dieser Übereinstimmungen werden wir geneigt sein, O 
auf dem 0 -Zweige einzutragen. 


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8 


2. Es tritt auf die Stellung* DP — OR: 

15*23 DP Attrapenses, OR Atrepenses — 

17.4 DP cedulam, OR fälschlich cellulam — 

17.5 DP officio completo, OR c. o. — 

In einem Widerspruch dazu steht allerdings 

14,2g D in lectum, O i leuum (?), PR fehlt etwas Entsprechendes. 

Doch scheint diese Stelle in O ziemlich verderbt zu sein *, so- 
dafs auf sie kein Gewicht gelegt werden kann. Demnach wäre O 
unter ß sehr nahe an R zu stellen. 

3. Dabei fragt es sich, ob wir für O und R eine gemeinsame 
Vorlage annehmen sollen, oder ob das eine vom andern abhängig 
ist Diese Frage ist leicht zu beantworten. Wie wir später sehen 
werden, hat R als direkte Vorlage ß benutzt. Damit ist eine zwischen 
ß und R stehende Hs. vollkommen ausgeschlossen, O mufs abhängig 
von R sein. Wir deuten dieses Verhältnis im Stammbaum folgender- 
mafsen an: 


Original 



Einreihen von v in den Stammbaum. 

Aus praktischem Interesse ist es nun nötig, auch v in den 
Stammbaum einzureihen. Denn obwohl v eine nur teilweise wört- 
lich mit den Hss. übereinstimmende Bearbeitung darstellt, so kann 
es doch, auch gerade wegen seiner Vollständigkeit, für die Text- 
kritik wichtig werden. Dessen müssen wir allerdings uns von vorn- 
herein bewufst sein, dafs eine grofse Anzahl Fehler, auf die wir 
uns ja hauptsächlich stützen, in der Vorlage von v bereits ge- 
bessert sind. 

1. v übernimmt Fehler von D nicht, sondern schreibt in 
solchen Fällen wie PR: 

18,20 D multa maiora . . . merita, PRv richtig multo ... — 


1 Schon Stengel hat in Zeitschr. f. rom. Phil. Bd. III (1. c.) hinter i leuum 
das Fragezeichen gesetzt. 


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9 


27, 8 D Qui cum nichil inuenisset pafst nicht, PR Que cum 
inficeret (= infiteretur) postulata und v lila vero respondente 
adulterum omnino se nescire — 

32,39 fehlt D cum sacrista fälschlich; ist vorhanden in PRv — 

33,24 D Asseris fälschlich, PR Assentis, v Assentisne — 

33.35 D sub custodia monachorum, PRv s. c. medicorum — 

41,3- D edificauit, Rv richtig rehedificauit — 

41,3g D Honorati, Rv Cassiani — 

45. 7 übernimmt D eine Randglosse in den Text: zauram uel 
nauigium, Rv zauram — 

50,4 übernimmt D wieder eine Randglosse: mundum uel 
seculum, Rv seculum — 

Gegenüber den zahlreichen Fällen dieser Art glaube ich einen 
Fall vernachlässigen zu können, wo Dv gemeinsam einen Fehler 
machen : 

37, 31 Dv (iniunxit beatus Nazarius agonizanti, ut palam sibi 
diceret,) si tune mori debebat (v: si tune moriturus esset) et cur 
tarn diu . . . laboraret. Sinn und Konstruktion verlangen einen 
Bedingungsatz, und so läfst R richtig et vor cur weg. 

Demnach ist v unabhängig von D. 

2. v macht eine grofse Anzahl Fehler von PR nicht mit, 
sondern schreibt in solchen Fällen wie D: 

2,27 D Cumque . . . se diuerteret, v diuertisset, RP fälschlich 
dirrueret — 

7.25 Dv patefecerat, PR patescerat — 

18,33 Dv anni temporibus, PR fehlt anni — 

2 5, 24 D instabant, v instant, PR stabant — 

26, ]g D diuisit se aqua, v diuise sunt 4que, PR fehlt aqua — 

30. 8 Dv uinxit, P anxit, R auxit — 

30.25 Dv in medio chori, PR fehlt chori — 

32.35 D ipsum commendans beato Honorato, v Lc. episcopo 
H., PR dagegen schreiben nur episcopo H. — 

Demnach ist v unabhängig von P und R und ihrer Vorlage ß. 

3. Andrerseits hat v mit PR resp. R manche Fehler gemein- 
sam, während D richtig schreibt, d. h. richtig aus a übernommen hat: 

23,21 PRv Honoratum delirum statt richtig mit D Honoratum 
de Lyrino. Dafs letzteres richtig ist, zeigt die Gegenüberstellung 
uel Honoratum de Lyrino uel principem Uianensem — 

29,24 verlangt der Sinn mit D: Qui dixit, quod propter in- 
stanciam ... PR statt dessen : Qui dixit sibi importunam in- 


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IO 


stanciam. Daher auch v fälschlich: Cui . . . enarrauit importunam 
instantiam — 

30,22 PR Cumque . . . psallentes cerneret ut deliros, ähnlich 
v quasi delyros. D hat nichts dem ut deliros Entsprechendes, und 
zwar, wie ich meine, mit Recht Denn die Worte hätten doch 
nur eine Berechtigung, wenn der heil. Geist schon über die 
Mönche gekommen wäre. Sie bitten aber in den folgenden Worten 
erst darum. — 

31,17 schreibt D richtig Video, quod penitet te . . . PRv da- 
gegen schreiben mit einer fälschlichen Änderung der Konstruktion 
Video, quia ... — 

48, lt D: Dum uero diu hee due . . . femine suas miserias 
complorassent . . . R und v lassen diu weg, sodafs der Satz einen 
andern, offenbar falschen Sinn bekommt — 

5O, 20 D in uertice „auf dem Scheitel“, Rv fälschlich in ceruice 
„im Nacken“ — 

Ergebnis: Da nach 2. v unabhängig von ß ist, da es aber 
nach 3. doch eine Anzahl Fehler mit PR resp. R gemein hat, so 
müssen v und ß aus einer gemeinsamen Vorlage geschöpft haben. 1 
Nach 3. ist diese Vorlage y im Stammbaum unter a einzureihen, 
sodafs sich folgendes Bild ergibt: 

Original 

I 


a 



I 

O 


Diesem Ergebnis scheinen einige Stellen zu widersprechen, wo 
Pv Zusammengehen gegenüber DR: 

4,! haben DR richtig ceruo precedente, Pv zeigen fälschlich 
Formen von procedere — 

13,37 RD eiusdem ciuitatis uicinum, Pv eidem ciuitati uicinum 
(bei P erst nachträglich gebessert aus ciuitatis) — 

1 Die dritte Möglichkeit: ß abhängig von v ist dadurch ausgeschlossen, 
dafs v nur einen verstümmelten Text enthält und aufserdem wesentlich jünger 
ist als PRO. 


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II 


20,30 DR turbas, Pv turbas hereticorum (in P hereticorum am 
Rand) — 

28.34 DR cuiusdam nobilis deuoti, Pv nobilis et (v Deo) 
deuoti — 

32.2 fügen Pv enim ein im Gegensatz zu DR: Proposuerat 
enim — 

Ebenso noch einige weitere Stellen. Ich halte diese alle für 
Zufall, da besonders v, aber auch P ihrer Vorlage sehr frei gegen- 
über standen und änderten, wo es ihnen gut schien. 

Sehr gut zeigt sich die Mittelstellung von v zwischen D und 
PR durch sein Hin- und Herpendeln zwischen beiden Gruppen. 
Man vgl.: 

7,25 D dissimulans caute, que patefecerat 
v caute dissimulans, que patefecerat 
PR caute dissimulans, que patescerat 

26,27 D ascendens corulum, cum . . . suspendium preparasset 
v ascendens nucem . . . suspendium preparauerat 

PR ascendens nucem, cum . . . suspendio prepararet 

32.34 D ipsum commendans beato Honorato 

v ipsum commendans episcopo Honorato 
PR episcopo Honorato 

36, lg D obumbrante eum flamma lucidissima 
v obumbrante eum lucidissima flamma 
R obumbrans eum lucidissima flamma 

44.3 D sanctus Honoratus 
v beatus Honoratus 

R beatissimus Honoratus. 


Einreihen von f in den Stammbaum. 

Neben den lat Texten steht als wichtigster anderssprachlicher 
Text das prov. Gedicht des Feraut 1 (f). Da dieses unter Um- 
ständen für die Textkritik wichtige Beiträge liefern könnte, müssen 
wir uns zunächst die Frage vorlegen, wie f sich zur lat. Vita stellt. 
Durch die oben erwähnten Arbeiten Paul Meyers wissen wir, dafs 
die Vita das Original, f eine Bearbeitung davon ist. Auf diesen 
Standpunkt stelle ich mich denn auch von vornherein. Ich glaube 
das um so eher zu können, als ich eine Reihe weiterer Belege 
hierfür gefunden habe, die im Laufe dieses Kapitels noch zur 
Sprache kommen sollen. Somit ergibt sich die Aufgabe, f in den 

1 So wird der Name des Dichter* in der von A. L. Sardou abgedrnckten 
Hs. geschrieben; Sardou selbst schreibt Feraud. 


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12 


aufgestellten Stammbaum einzureihen, d. h. zu sehen, ob und mit 
welchen Hss. es eventuell Fehler gemeinsam hat 

Ehe ich dieser eigentlichen Aufgabe näher trete, möchte ich 
zunächst eine Anzahl Belege anführen, die ganz allgemein die 
Abhängigkeit des f von der Vita zeigen. Es sind das lauter 
Ungenauigkeiten, die sich f der Vita gegenüber zu Schulden 
kommen läfst. 

14, 14 ff. = Kap. XXVI in f.* Der Bischof von Viennes ist ge- 
storben. Die Bürger können sich über die Person seines Nach- 
folgers nicht einigen (cum . . . diuersi diuersos prefici postulassent) 
und wenden sich deshalb an den Sakristan als Schiedsrichter. 
Auch in f wird der Sakristan zum Schiedsrichter ernannt, wir er- 
fahren aber nicht warum. 

ig, 39 = Kap. XXXVIII in f. Honorat rät den Brüdern, 
zwischen den (beiden) höchsten Palmenbäumen der Insel nach 
Wasser zu graben (inter . . . arbores alciores). In f dagegen graben 
sie „antre los dos palmiers Que eran denfra 1 * islla“, gerade als 
ob auf der Insel nur zwei Palmen gestanden hätten. 

37, | 5 ff = Kap. LXXXIII in f. Die Gattin des Fürsten von 
Salerno stirbt auf der Reise nach Lerins. Der Fürst läfst sie 
unterwegs auf einer Insel in einen Sarg legen, um sie auf der 
Rückkehr mit in die Heimat zu nehmen. In f dagegen läfst er 
sie begraben (la donna c’ an soterrada En mar en 1 * isla de Gor- 
gona), überlegt sich ’s erst später anders und befiehlt, sie nach 
Salerno zu bringen. 

38,24 = Kap. LXXXVI in f. Der Bajulus von Bellanda klagt 
seine Herrin bei ihrem Gemahl des Ehebruchs an und läfst ihre 
Schuld durch falsche Zeugen beweisen (quodque per falsos festes 
nequiter comprobauit). In f ist an dieser Stelle von falschen 
Zeugen nicht die Rede. Dafs die Vita richtig liest, zeigt die so- 
wohl im Latein als auch in f am Ende des Kapitels erfolgende 
Bestrafung falscher Zeugen. 

39, 37 ff = Kap. LXXXIX in f. Der Markgraf Anselm bittet 
Honorat um einen Sohn. Die Bitte wird ihm gewährt. Dafs sie 
gewährt wird, fehlt in f. Es ist das ja nach dem Folgenden selbst- 
verständlich, trotzdem mutet die Darstellung bei f etwas wunder- 
bar an: 

A l’islla de sant Honorat 
Annava romieus al perdon ; . . . 

Menava sa moyller am si, 

Qu’en breu de temps agron enfant; 

Car ren non desiravan tant. 

Mas li donna non poc sufrir 
Los greus mals, perque vay raourir 
En la payllola de l’enfant 

1 Ich denke, dafs es genügen wird, hier und im folgenden von f nur die 
jedesmalige Kapitelnummer anzugeben. 


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13 


Kap. 41 f <= Kap. CIV in f. Ein blinder Geizhals verbietet 
seinem Schweinehirten, nach Lerins zu wallfahren. Trotzdem be- 
reitet sich dieser in der Stille zu der Fahrt vor (clam se prepa- 
rabat). Die Folge ist, dafs ihn sein Herr einsperren läfst. ln f 
dagegen wird der Hirt schon eingesperrt, blofs weil er die Bitte 
ausgesprochen, dorthin wallfahren zu dürfen. 

Kap. 4 1 e = Kap. CV in f. Nach Lerins Pilgernde werden 
unterwegs ihres Gepäckes beraubt. Die Wegelagerer erblinden 
jedoch plötzlich. In den Abgründen umherirrend werfen sie ihr 
eigenes Gut weg, das geraubte aber schleppen sie weiter mit. Die 
Pilger hören ihr Wehklagen, kehren um und kommen wieder zu 
ihrem Eigentum, f dagegen erzählt wohl von den Räubern, dafs 
sie, einen ganzen Tag umherirrend, Arme und Beine brechen, 
nicht aber, dafs sie ihren Raub weiter mitschleppen. Wir sind 
deshalb etwas überrascht zu lesen, dafs die umkehrenden „romieu 
an cobrat trastot lur guarniment“. 

49, 29 ff. = Kap. CXVII in f. Ein Klosterbruder hat folgendes 
Gesicht: Er sieht zwei Männer den Speisesaal betreten. Der eine 
ist ein Mönch und trägt in den Händen ein volles Gefäfs. Der 
andere ist mit einem Pallium bekleidet und schöpft mit einem 
silbernen Löffel aus jener Schüssel. In f dagegen trägt der Mönch 
Gefäfs und Löffel, trotzdem schöpft der andere. 

5 1,20 ff* = Appendix Kap. III in f. 10 Tage vor Ankunft der 
Sarazenen sagt ein Engel die Heimsuchung der Insel Lerins voraus. 
3 Tage später werden die Schätze in Sicherheit gebracht, und 
nach weiteren 7 Tagen überschwemmen die wilden Horden die 
Insel. Auch nach f erfolgt die Weissagung 10 Tage zuvor. Dann 
werden die Kostbarkeiten weggeschafft (ohne Zeitangabe, sodafs 
anzunehmen ist, an demselben Tage), und 7 Tage darauf er- 
scheinen die Sarazenen. Offenbar hat hier f die eine Zeitangabe 
vergessen. 

Nun zum Schlufs noch die bereits von Hosch 1 behandelte 
Frage Nichomedia-Ongria. Wie Hosch zeigt, ist der Name Ongria 
von Feraut aus Courtoisie gewählt. Hätte die Vita immer Nicho- 
media, f statt dessen immer Ongria, so wäre für das Quellen- 
verhältnis nichts zu gewinnen. Feraut gebraucht aber gamicht 
blofs Ongria, sondern an einer Anzahl Stellen gleichbedeutend 
damit Nichomedia resp. Nicomedia (so Kap. II, 88; XIII, 39; 
XIV, 2 ; XV, 64). Das ist meines Erachtens am einfachsten so zu 
erklären, dafs hier der Name Nichomedia der Vorlage stehen ge- 
blieben, d. h. also, dafs die Vita das Original zu f ist. 

Wenden wir uns jetzt der wichtigen Frage zu, ob sich Fehler 
der vorhandenen Hss. auch in f finden! Diese Frage ist, wie mir 
scheint, mit ja zu beantworten, und zwar glaube ich mehrere ge- 

1 S. Hosch, Untersuchungen über die Quellen und das Verhältnis der 
prov. und lat. Lebensbeschreibung des heil. Honoratus, Berlin, Diss. 1877. 


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14 


meinsame Fehler von f and PR, keinen dagegen von f und D 
gefunden zu haben. Es sind folgende: 

18,33 = Kap. XXXVI in f. D unum annum et quadraginta 
dies. PR lassen unum weg. Dafs D richtig schreibt, zeigen zwei 
bei Moris 1 abgedruckte päpstliche Bullen, f schreibt fälschlich mit 
PR: an e caranta jortz. 

23, 21 = Kap. XLV in f. D Honoratum de Lyrino, PR fälsch- 
lich Honoratum delirum, f mit PR: 

Mot es follz, za mi par, qui son seynor soanna. 

Cal voles, Honorat o’l prince de Vianna? 

23,37 88 Kap. XLVn in f. D Et disperso suo exercitu cum 
uxore et liberis ... uix euasit. PR lassen uxore aus. Dafs es 
fälschlich weggelassen, zeigt das in R noch stehen gebliebene et 
vor liberis. In P fehlt auch et f hat die falsche Schreibung 
Vorgelegen: 

Et an pres sons enfanz e trastot son arney. 

Mas el s’en es fugitz per pneys e per boscaje. 

44,32 — Kap. XCV in f. D cum accederet cum genito ad in- 
sulam Lyrinensem. Nur so ist das Folgende verständlich. R da- 
gegen schreibt fälschlich cum accederet ad Lirinum cum gaudio. 
Auch f hat cum gaudio vor sich gehabt und übersetzt es mit don 
ac joya grant. 

48, 15 = Kap. CXIV in f. D quem uix multorum precibus 
olim in famulum recipere acquieui. R läfst recipere aus und macht 
dadurch den Satz unverständlich. Nur so ist f zu erklären, das 
ebenso unverständlich schreibt: 

(Ben say que morray de dolor, 

Si ti don al malvays deutor,) 

Que l’ay rist alcuna sason 
Non lo tengra gens per guarzon. 


5O, 20 = Kap. CXVIII in f. D uidit in uertice monachi, quan- 
tum circulus corone capitis continebat grandem oculum „er sah 
auf dem Scheitel des Mönches, wie der Kreis der Krone des 
Kopfes ein grofses Auge enthielt“. R dagegen . . monachi, quan- 
tum crinibus corone capitis contingebant, grandem oculum „er 
sah . ., soweit mit den Haaren die Kronen des Kopfes reichten, 
ein grofses Auge“. Ich glaube kaum, dafs R richtig schreibt, 
f schreibt mit R: 


Mays aytant con tenc li corona 
Un huells li vi sns la vertis. 


So scheint zwar f Fehler von PR resp. R mitzumachen, trotz- 
dem möchte ich es noch nicht wagen, auf diese doch nicht allzu 


1 Moris, Cartulaire de l’Abbaye de L£rins, Bd. II, pg. 148 und 210. 


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15 


beweiskräftigen Belege hin f auf einen bestimmten Zweig des 
Stammbaumes zu verweisen. 

Geradezu verworren werden aber die Verhältnisse, sobald wir 
v mit in den Kreis unserer Untersuchungen ziehen. Wir sehen 
dann Dv vielfach Zusammengehen gegenüber f(P)R und würden 
geneigt sein, f zu (P)R zu stellen. Neben dieser Gruppierung 
kommt aber auch häufig die Gruppierung Df — v(P)R vor, und 
das macht die Lage so kompliziert. Ich weifs in diesem Dilemma 
keinen Rat und werde deswegen mich darauf beschränken, ohne 
gröfsere Erörterungen sämtliche hierher gehörigen Stellen an- 
zuführen. 

I. Für Dv — f(P)R sprechen: 

i 8, 33 = Kap. XXXVI in f. Dv unum annum et quadraginta 
dies; PR annum et quadraginta dies, f an e caranta jortz; PRf 
zeigen hier die falsche Schreibung — 

29, 19 = Kap. LXXV in f. D dixit ei Honoratus, v ait illi; 
PR dixit Honoratus femine, f Vay dire a la vieylla mesquina — 

32,2 = Kap. LXXVII in f. D nunquam surgere, nisi prius 
huius discriminis sciret causam, v ebenfalls nisi prius; PR lassen 
prius aus, f: Denant Pautar non levaria, Si la veritat non sabia — 

36. 31 = Kap. LX in f. Dv ero . . . promptus et sollicitus 
suffragator; PR patronus statt promptus, f: tostemps mays seria 
De l’islla de Lerins patrons et avocatz — 

37. 31 = Kap. LXXXIV in f. D ut palam sibi diceret, si tune 
mori debebat et cur tarn diu anxie laboraret, v . . ., si tune mori- 
turus esset et cur . . .; R läfst mit Recht et vor cur aus, f: Prec 
ti per lo Seynor . . . Que, si deves morir del mal que ti demena, 
Diguas per quäl rason en sufres tan grau pena — 

39,e = Kap. LXXXVII in f. D multa sunt miracula scripta, 
auch v multa; R läfst multa aus, f: Si con li veritat conplida Fon 
escricha . . . Dels miracles — 

39, 7 = Kap. LXXXVII in f. D Nazarius abbas, auch v abbas; 
R läfst abbas aus, f: sant Nazaris — 

39.31 = Kap. LXXXVIII in f. D postulat, qualiter euaderet 
incendium tanti ignis, v a tantis . . . ignibus; R läfst tanti aus, f: 

Le princes li disia con es esdevengut 
Que le fuecs ni la flama non li aia nogut — 

40,5 = Kap. LXXXIX in f. D dum . . . iuuenis discumbenti- 
bus ministraret, ähnlich v; R fügt ylariter ein hinter iuuenis, f: 
Es de servir mot aprestatz — 

41,23 = Kap. XC in f. D in festo beati Honorati, v dum 
dies festi beati Honorati celebris instaret; diese Zeitangabe fehlt in 
R und f — 


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i6 


42,50 = Kap. XCI in f. D ad patriam cum suis filijs rediens, 
v cum eis ad propria remeauit; R fehlt ad patriam, f: Coli an e 
van s’en mantenent — 


43, 7 = Kap. XC1I in f. D quousque beatus Honoratus . . . eam 
innocentem . . . liberaret, v quousque . . . sue casum innocentie 
declarauerit ; R fehlt innocentem, f hat ebenfalls nichts Ent- 
sprechendes — 


44, lt = Kap. XCIV in f. D Quem dux . . . suscipiens, v 
schreibt ebenfalls dux; R läfst dux aus, dgl. f — 

46, j 4 = Kap. C in f. D meam famulam, v ähnlich; R meam 
famulam Monthaninam, f: la mieva Montanina — 


48, 2l = Kap. CX1V in f. D Ait illa, v respondit mulier; 
R läfst Ait illa aus, auch f bietet nichts Entsprechendes — 

48,5g = Kap. CXIV in f. D habundas, v abundas; R habes, 
f: as — 


48,30 = Kap. CXIV in f. D suam filiam, v filiam suam; R 
filiam, f la jenzor — 


2. Für Df — v(P)R sprechen: 

10.3 = Kap. XVI in f. PR apparuit eis orantibus, v eis 
orantibus apparuit; D läfst orantibus aus, f: lur es apparegutz — 

30,55 = Kap. LXXV in f. PR Cumque . . . psallentes ceme- 
ret ut deliros, v quasi delyros; D läfst ut deliros aus, auch f hat 
nichts Entsprechendes — 

32.4 = Kap. LXXVII in f. PRv beatus Petrus apostolus; D 
beatus Petrus, f: sanz Peyre — 

32,5g = Kap. LXXVII in f. PR Post instante quadragesima 
adiit suam sedem, v imminente iam sancto quadragesime tempore; 
D und f wissen von dieser Zeitbestimmung nichts — 

32.34 = Kap. LXXIX in f. PRv episcopo Honorato; D beato 
Honorato, f: A sant Honorat — 

39.34 = Kap. LXXXVIU in f. D eas Ipsi restituit reuerenter, 
f: Am gran humilitat li rendet sa comanda; in R und v fehlt 
reuerenter — 


43, 29 = Kap. XCUI in f. R cui illa misera consordum dene- 
gabat, v misera illa; in D fehlt illa, auch f hat nichts Ent- 
sprechendes — 


45,8 = Kap. XCVII in f. D beatus Honoratus tarn assidue in- 
uocatus, f: Qui es Honoratz de Lerins Que tant l’avias reclamat; 
R und v fehlt tarn — 


46,44 = Kap. C in f. R dixit eis, v eis dicens; D dixit, 
f: e diz — 


48,3g = Kap. CXm in f. R aruit ylico temeraria manus eius, 
v ebenfalls temeraria manus; D läfst temeraria aus, f: Li man li 
vay secar — 


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17 

50,20 = Kap. CXVIII in f. D in uertice monachi, f: sus la 
vertis; R fälschlich in ceruice monachi, auch v ceruice — 

Es ist somit schwer, f in den aufgestellten Stammbaum ein- 
zureihen. Fassen wir jedoch alle Argumente zusammen, so glaube 
ich nicht fehl zu gehen, wenn ich f und v nicht weit voneinander 
stelle. Ich deute das im Stammbaum folgendermafsen an: 

Original 

I 

a 

J 


i 

1 

I I 

P R 

I 

O 

Selbstverständlich will ich hiermit nicht sagen, dafs f irgend- 
wie von v abhängig sei. Denn f ist älter als v und enthält vieles, 
was v nicht enthält. Bestätigt finde ich meine Meinung der Zu- 
sammengehörigkeit von f und v dadurch, dafs der in DR 47,21 
und 49,4 genannte Abt Saluianus an den beiden entsprechenden 
Stellen von v als Silvanus, von f als Silvan bezeichnet wird; ferner 
erzählen f und v die zusammengehörigen Kap. 20 und 22 aus 
D direkt hintereinander, ohne, wie es die lat Hss. tun, mit 
Kap. 21 eine ganz andere Geschichte einzuschieben. Im übrigen 
stellt sich allerdings bezüglich der Reihenfolge v näher zu den 
Hss. als zu f. — 

Auch das oben 1 erwähnte Fragment B scheint nahe an f zu 
stehen, da der DR 45, 36 erwähnte Abt Nicencius von B als Vin- 
centius, von f als Vincenz bezeichnet wird. In dem entsprechenden 
Kap. von v kommt nach einer brieflichen Nachricht der Münchener 
Hof- und Staatsbibliothek der Name Vincentius oder Nicencius 
nicht vor. 



Nach welcher Hs. hat die Textausgabe zu erfolgen? 

Nachdem der Stammbaum fertig gestellt ist, erhebt sich die 
Frage, welche Hs. der Ausgabe zugrunde zu legen und in welchem 
Mafse die andern Hss. und Bearbeitungen zur Benutzung heran- 
zuziehen sind. Um das festzustellen, ist es nötig, in einer ver- 

1 Vgl. den Abschnitt „Überlieferung“, Seite 3. 

2 


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i8 


gleichenden Darstellung der hauptsächlichsten Hss. uns den Wert 
der einzelnen klar zu machen. 

Über a läfst sich nur so viel sagen, dafs es vom Original schon 
eine Anzahl Abweichungen aufwies, wie die DPR gemeinsamen 
Fehler zeigen. Die Frage, ob a (und damit auch das Original) 
die in D fehlenden, in R vorhandenen Wunder (Kap. 40 a, 41 a — i, 
43 a — b, 46 a) enthielt, glaube ich entschieden bejahen su müssen. 
Dazu zwingt nicht nur der Umstand, dafs die überzähligen Wunder 
sich sprachlich von den andern nicht im geringsten unterscheiden 
und sich ohne Störung in den Zusammenhang einordnen, sondern 
vor allem folgende Erwägung 1 : Von den in R unter Abt Amandus 
geschehenen Wundem bringt D nur das erste und letzte, von den 
unter Saluianus und Porcarius geschehenen nur je das erste und 
die beiden letzten, während die in der Mitte stehenden 9 resp. 2 
resp. 1 Wunder fehlen. Um das zu erklären, bleibt nur folgende 
Wahl: Entweder hat ein späterer Interpolator auf ganz raffinierte 
Weise eine Anzahl Wunder in den Text hineingeschmuggelt, oder 
aus der Masse der Wunder sind wegen der Fülle die jeweilig 
mittelsten weggelassen worden. Letzteres ist allein wahrscheinlich. 
Hinweisen möchte ich auch darauf, dafs eine auch in D vor- 
handene Stelle geradezu auf das in D fehlende Wunder Kap. 46 a 
zugeschnitten scheint. Es ist 19,7-$: Et dum quisquam diabolico 
fomite extabat in aliquo uiciosus, ac si in simili deliquisset, a crimi- 
noso consilium requirebat, quomodo posset a tali uicio resilire . . . 

D: Einige Fehler von D lassen uns einen Schlufs ziehen auf 
den Bau seiner direkten Vorlage. Danach umfafste eine Zeile der 
Vorlage nicht so viel Worte wie in D. Wenigstens scheinen mir 
(vgl. die betr. Anm. zum Text) in der Vorlage 

io, 12 in osculo caritatis desideratos hospites letus hospes intro- 
duxit — 

20,29 ual]uas ecclesie sancti Trophimj, ubi concursus et strepitus 
bellancium uale[scebat — 

32,37 tradidit eam Honoratus cuidam nobili condecenter et 
alitum secrete puerum — 

je eine Zeile gebildet zu haben, während dieselben Worte in D 
keine ganze Zeile füllen. 

Ob D den unvollständigen Text bereits übernahm oder selbst 
erst kürzte, konnte ich nicht feststellen. Im übrigen scheint sich 
D fast sklavisch an seine Vorlage zu halten. Selbst Randglossen 
werden in den Text übernommen. So 

1 Abzusehen ist hierbei allerdings von Kap. 40 a, wo das letzte der unter 
Abt Nazarius geschehenen Wunder erzählt wird. 


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19 


2,23 Creatori uel Conditori statt PR Conditori — 

19.7 auxilians uel anxians statt PR anxians — 

45. 7 zauram uel nauigium statt R zauram — 

50,4 mundum uel seculum statt R seculum — 

Flüchtigkeitsfehler, als Auslassungen und Verschreibungen, 
kommen zwar öfter vor, aber absichtliche Abweichungen gestattet 
sich D nur selten. Vgl. 8, 2 g dicti cathecumini — 17,4 ex deuo- 
tione — 18, 6 set — 27, 8 Qui cum nichil inuenisset — 32, 15 ei 
communicas assuete. 

Infolgedessen können wir D als eine Hs. bezeichnen, die das 
Original verhältnismäfsig treu wiedergibt. Nicht so gut steht es 
mit den andern Hss. 

Über y läfst sich nicht viel sagen, da wir die Hs. durch v 
einer- und PR andrerseits doch nur ganz unvollkommen kennen 
lernen. Sie zeigt bereits Fehler, die sich in a noch nicht fanden. 

Der Text von ß war wesentlich verderbter als in D. Das 
zeigen eine Unmenge unsicherer und falscher Stellen in PR. Ich 
habe, um gleich einen Schritt weiter zu gehen, im folgenden nur 
solche Beispiele gewählt, wo P und R nicht nur von D, sondern 
sich auch untereinander unterscheiden: 


D 

R 

P 

i, 29 sincera 

scintera 

secura 

4, 20 comptos 

cunctos 

conctos 

5, 18 coniunctum 

counitum 

cognitum 

5, 19 transubstanciatam 

transunitam et 

transsumptam et 


transbeatam, 

transbeatam 

o,(4 confracti 

confrecti 

confreti 

11,24 frendenter 

frenditer 

fortiter 

31,34 in dolos 

indoles 

ydoles 

31,35 diffidere 

diffendere 

defendere. 


Nicht genug damit, dafs die Hs. von vornherein schlecht war, 
hat sie, bevor direkt oder indirekt P und R aus ihr schöpften, 
auch noch eine gründliche Revision erlebt, die sicherlich für die 
Reinheit des Textes nicht immer vorteilhaft gewesen sein mag. So 
wenigstens glaube ich die folgenden Stellen, wenn ich sie insgesamt 
überschaue, deuten zu müssen. Ich gehe dabei von der Annahme 
aus, dafs die Lesart von D die ursprüngliche ist 1 : ^ 

4,27 stand in ß zunächst richtig mit D eiulans, daraus später eiu- 
lans, sodafs P ululans, R eululans schreibt — 


1 Zu dieser Annahme komme ich durch die in fast allen folgenden 
Beispielen auftretende Übereinstimmung von D mit R. 

2* 


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io 


14. 37 stand in ß richtig mit D uerax et parum . . . loquens. 
Später beseitigt ß das et Es fehlt daher in P; R dagegen schreibt 
es und radiert es erst nachträglich aus — 

2 2,, 9 stand in ß fälschlich wie auch in D errores. Dann 

bessert ß in errores. Daher P erroris. R dagegen schreibt errores 
und bessert nun erst in erroris — 

28.37 stand ursprünglich in ß wie D: Hoc anno . . . cum prole, 
quam habebitis, uisitate mecum insulam. ß versetzt mecum vor cum, 
sodafs R mecum an beiden Stellen , P blofs vor cum stehen hat — 

37. 5 stand in ß wie D socij sui. Dann ändert ß die Wort- 
stellung. Daher P sui socii. R aber schreibt sodi sui und deutet 
erst nachträglich an, dafs die Wortstellung umgekehrt sein soll — 

Somit ist klar, dafs P und R ziemlich stark von der ursprünglichen 
Fassung abweichen müssen, und dafs es sich daher nicht empfiehlt, 
eine dieser beiden Hss. der Texlausgabe zu Grunde zu legen. 

R ist, wie die soeben angeführten Beispiele zeigen, direkt aus 
ß geflossen. Bewufste Änderungen hat R nur wenige vorgenommen. 
Viele Fehler sind von ß übernommen und aus Flüchtigkeit noch 
eine Anzahl neue hinzugekommen (vgl. den Abschnitt: Stammbaum 
der Hss.). 

Ob P direkt aus ß geschöpft, läfst sich nicht feststellen, obwohl 
folgende Stellen vielleicht einen Schlufs auf die Zeilenlänge der 
Vorlage erlauben: 

8,3 fehlt in P: accederent ad baptismum, ut renati fonte baptis- 
matis una foret inter eos fides mencium et pietas — 

13,19 fehlt P: quadam die dictus episcopus post pluuiarum 
impetus extra — 

27.5 fehlt P: quadam uice pernoctasset ad domum suam 
rediens uxore — 

Ich nehme an, dafs im ersten Falle zwei und in den beiden 
andern Fällen je eine Zeile durch den Schreiber von P übersprungen 
sind. Verschreibungen an andern Stellen bestätigen das. So 

28,14 P sibi penitentiam benedixit 1 ] et regectum a tempus a 
consorcio sociorum penitentem [benedixit — 

2 9»i 1—12 P • • •] cognosceret eiulatu, reuecta ianua intrauit 
cameram | importune. Et cum Honoratus membra pueri indisposita 
[cognosceret 1 componeret ... — 

Demnach hatte die Vorlage von P noch kürzere Zeilen als die 
von D. Das ist alles, was sich über die Vorlage von P feststellen läfst 

1 benedixit resp. cognosceret sind an dieser Stelle in der Hs. durch- 
strichen. 


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21 


P selbst ist unter den 3 Hss. DPR die am wenigsten sorg- 
fältige. Trotzdem oder gerade deshalb trägt sie ein selbständigeres 
Gepräge als die andern, insofern sie sich nicht sklavisch an die 
Vorlage hält. Unverständliche Wörter werden durch ähnliche be- 
kannte ersetzt, häufig allerdings ohne auf die Bedeutung Rücksicht 
zu nehmen (Beispiele siehe in diesem Abschnitt bei Behandlung 
der Hs. ß); Partikeln werden ein geschoben, um den Zusammenhang 
klarer zu machen u. a. Besserungen mehr (13,32 * st eum hinter 
credentes; 16, t Et vor cum; 16, 7 enim hinter Tibi; 28,34 et hinter 
nobilis; 32,2 enim vor nunquam eingeschoben etc.). Aufserdem 
wurde P mit Hilfe einer andern Hs. revidiert, wie Besserungen am 
Rande mit dem Verweise „alias“ zeigen, und durch häufige Rasuren 
der Text geändert. Infolgedessen finden sich in P manche Stellen 
richtig, die in DR falsch sind (so 8, t5 oblectati, 25, 12 familiari- 
tatibus), andrerseits weicht aber P auch gerade deswegen am meisten 
vom Originale ab. 

Ergebnis: D mit seiner Orthographie und Einteilung ist der 
Textausgabe zn Grunde zu legen. Läfst D im Stich, so ist nach 
PR resp. R zu bessern. Die in D fehlenden Wunder werden aus 
R entnommen und an den Stellen eingeschoben, wo sie in R 
stehen. Für diese aus R entnommenen Kap. sind v und f zur 
Textbesserung heranzuziehen, die beide dem Original näher stehen 
als R. Dv bürgt für Richtigkeit gegenüber fPR (einzige Aus- 
nahme 37,32)» Df gegenüber vPR, Dvf gegenüber PR, dagegen 
bürgt vfPR noch nicht für Richtigkeit gegenüber D. 


Bemerkungen über L, a. k. 1 

Der Vollständigkeit halber sei es gestattet, auch über L, a 
und k noch einige Worte zu sagen, die allerdings alle drei wegen 
ihres geringen Umfangs (auch von k stand ja nur ein kleines 
Bruchstück zur Verfügung) für die Textausgabe fast ohne Be- 
lang sind. 

Was L anbetrifft, so tragen diese Lectiones einen durchaus 
unpersönlichen Charakter, und wenn nicht gleich zu Anfang der 
Name des Honorat stände, könnten sie ebenso gut auf einen andern 
Abt und eine andere Klostergemeinde bezogen werden. Es liegt 
daher nahe, in L eine Quelle für die Vita zu vermuten. Leider 
ist das nicht der Fall. Die Unhaltbarkeit dieser Vermutung ergibt 
sich aus einer Anzahl verderbter resp. ungeschickter Stellen in L. 
Man vgl. 

1 Vgl. den Abschnitt „Überlieferung“, in welchem die Texte L, a, k 
erwähnt sind. 


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22 


1 8,37 L convivia statt richtig DPR comraunia — 

19,7 L ac in simili deliquisset statt richtig DPR ac si in ... — 

ig, 13 L latos pedes statt richtig DR letos pedes — 

19,3 L si veram tremendi iudicij horam timere et evitare 
vellent statt richtig D sentenciam tremendi iudicij timere et euitare; 
ein Bedingungssatz ist hier gamicht am Platze — 


19,4 L et solam Domini desiderare gloriam sempiternam, DPR 
et desiderare gloriam sempiternam; solam Domini stellt einen un- 
geschickten Zusatz von L dar — 


L kann demnach nicht Quelle der Vita sein. Wir versuchen 
deshalb, L in den Stammbaum der Hss. einzureihen. Dabei ergibt 
sich folgendes: L steht näher zu PR als zu D. Das erhellt aus 
einer ganzen Reihe von Beispielen, von denen ich nur die beiden 
wichtigsten anführen will: 

19,! 2 PRL Tegebant . . . uestis rigida et munda suum Corpus; 
D Tegebant . . . uestis rigida mundissimum corpus eius — 

19,! 4 PRL adeo intuitum focillabat, ut, si peccator existeret, . . .; 
D adeo intuentium corda focillabat, ut, (si) peccator existeret in- 
tuens, ... — 

Diese Beispiele, wo PRL offenbar falsch schreiben gegenüber 
der richtigen Lesart von D, lehren, dafs L unter a auf dem PR- 
Flügel einzureihen ist Keineswegs aber ist L abhängig von PR. 
So schreiben RP 19,4 fälschlich sentenciam tremendi iudicij tremere, 
L richtig mit D . . . timere. 


Demnach würde L im Stammbaum zwischen a und ß zu stehen 
kommen. 


Auch zu a läfst sich noch einiges sagen. Dieses Martyrium 
stellt m. E. eine aufserhalb von Lerins entstandene Art Gedächtnis- 
rede auf den Abt Porcarius dar. Darauf deuten wenigstens ein 
als Zeichen des Mifsfallens eingeschobenes „miserabile visu“ und 
„incredibile dictu“ hin, darauf auch die rhetorische Frage: Quis 
enarrare valeat, quos gemitus . . . emittebant? und die Aufforderung 
am Schlufs: Veneremur ergo et nos hodie, dilectissimi, hos Mar- 
tyres ...» celebremus hunc diem! Dafs Lerins nicht der Ent- 
stehungsort war, zeigen zwei ziemlich umfangreiche Kommentare zu 
Lerinensis insula und zu Porcarius, welche folgen dermafsen lauten: 
zu Lerinensis insula: Erat enim in eadem insula ä longis retro 
temporibus domus Religionis, quse retinens maximum examen mo- 
nachorum, praeter caeteras longe lateque diffusas omni sanctitate, 
famaque celeberrima circumquaque rutilabat; und zu Porcarius: Eo 
quippe tempore ccenobio Lerinensi praeerat vir per cuncta lauda- 
bilis sanctus Porcarius abbas, qui sanctam congregationem illam in 
diuino opere instruebat verbis et informabat exemplis, quae con- 


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*3 


gregatio in.tantum sub beati Viri disciplina sanctitale profecit, ut 
oranes provinciaa Galliarum clerici episcopum, monachi sibi poscerent 
abbätem in insula Lerinensi. Wenn somit auch nicht in Lerins 
entstanden, mufs diese Rede doch später handschriftlich in der 
dortigen Klosterbibliothek vorhanden gewesen sein, da Barralis als 
Fundort angibt „ein sehr altes Ms. des Klosters zu Lerins“. Nach 
Meyer 1 2 ist a eine aus dem n. oder 12. Jahrhundert stammende 
Darstellung, die ursprünglich mit der Vita sancti Honorati nichts 


zu tun hatte, sondern erst später, wie es ihm „ä premiere vue et 
Sans entrer dans une recherche approfondie“ scheint, in der um- 
gearbeiteten Fassung von DR an die Vita angehängt wurde. In 
dieser Annahme hat sich Meyer getäuscht. Ich werde im Gegenteil 
im folgenden den Beweis erbringen, dafs das Martyrium untrennbar 
zur Vita hinzugehört, und dafs a abhängig von DR ist. Zuvor 
möchte ich aber bemerken, dafs die Gründe, auf die Meyer seine 
Meinung stützt, keineswegs stichhaltig sind. Er stützt sich darauf, 
dafs in a die Vorgänge sich zur Zeit Karl Martells abspielen und 
weder Genserich noch die Vandalen erwähnt werden, während DR 
das Martyrium kurz nach Karls des Grofsen Tode ansetzen und 
auch noch Genserich mit seinen wilden Horden auftreten lassen. 
Ich meine, diese geschichtliche Treue einer- und Untreue andrer- 
seits liefse sich auch so erklären, dafs a den ihm vorliegenden 
Text einer Revision unterzogen hätte, eben um historisch genauer 
zu sein.* Aufserdem ist die Erwähnung der Vandalen wohl nicht 
allzu ernst zu nehmen. Das zeigt die Anra. der Acta Sanctorum 
zu Agarenorum: Sive Saracenorum, quos alii Wandalos, alii Agarenos, 
Ismaelites alii appellant, prout observat Mabillonius. 


Sodann zu meiner eigenen Behauptung. 

1. Die lat. Darstellung in den Hss. macht durchaus nicht 
den Eindruck, als ob das den Schlufs bildende Martyrium von 
der übrigen Vita zu trennen sei. (Anders verhält es sich aller- 
dings mit f, wo man nach Ferauts eigenen Worten wohl geneigt 
wäre, beide Teile schärfer zu trennen.) Sie zeigt im Gegen- 
teil bei näherer Untersuchung, dafs beide Teile eng zusammen- 
gehören, so eng, dafs man nicht annehmen kann, eine schon vorher 
existierende Fassung a habe sich so leicht in den neuen Rahmen 
einpassen lassen. Wir sehen die Zusammengehörigkeit einmal an 
den beiderseitigen Beziehungen zum Volksepos, sodann auch an 
wörtlichen Übereinstimmungen des Martyriums und der übrigen 
Vita: 35,37 ff. weissagt Honorat dem Nazarius den Untergang des 
Klosters, nachdem er und aliqui successores in Frieden gestorben 
seien. Die Worte, die Honorat gebraucht, zeigen z. T. grofse 
Ähnlichkeit mit den betr. Ausdrücken des Martyriums. So klingt 
35, 35 hinc suas extendet propagines per orbem multiplicandas an 


1 Romania VIII, pg. 504 ff. 

2 Vgl. Stengel in Giomale di Filologia Romanza, Heft III, pg. 2 16 ff. 


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M 


an 51,3g quam . . . electa propagine propagauit, ... et ... per 
orbem uberes palmites ampliauit (a : et electa propagine propagavit 
. . . et ... per orbem uberes palmites ampliavit) oder 35,39 Venera- 
bilis reliquias . . . occulta reuerenter an 52, 26 Occultemus (prouide) 
uenerabiles reliquias (a: Occultemus venerabiles reliquias). — Ganz 
abgesehen von der Wahl der gebrauchten Worte lehrt uns diese 
Stelle 35,37 ff. noch mehr. Sie zeigt nämlich, wie der Verfasser 
dazu kam, in einer Vita sancti Honorati auch noch das Martyrium 
des 300 Jahre später lebenden Porcarius zu erzählen. Honoratus 
sagt die Zerstörung des Klosters nach dem Tode des Nazarius und 
einiger seiner Nachfolger voraus. Nun sind am Ende der Vita 
einige Äbte gestorben. Zuletzt ist (49,4) Porcarius zum Abt von 
Lerins erwählt worden. Ist es wunderbar, wenn nun auch noch 
der Tod des Porcarius erzählt und damit die Erfüllung jener 
Weissagung gezeigt wird? 

Allerdings hinderte diese Zusammengehörigkeit nicht, dafs 
später doch die Porcarius-Legende als solche von der Vita ge- 
trennt wurde. Dieser Prozefs zeigt sich bereits in seinen Anfängen 
in den Hss. D und R, die beide durch eine in D wunderbar ver- 
zierte Initiale die Legende als besonderen Abschnitt der Vita 
kennzeichnen, f behandelt das Martyrium in einem neuen Buche, 
O läfst es ganz aus. Wie in O ist auch die Trennung vollzogen 
bei Barralis, Surius und in den Acta Sanctorum, vollzogen in andern 
mittelalterlichen Hss., wo die Porcarius-Legende allein auftritt. So 
sind erst kürzlich durch die Analecta Bollandiana 1 zwei Hss. der 
Bibliotheca Alexandrina zu Rom bekannt geworden, die beide das 
Martyrium in derselben Form wie DRa behandeln. Die erste 
(15. Jahrhundert) beginnt: Postquam Carolus vero Magnus in sancta 
ac venerabili senectute migraverat ab hac vita . . .; die zweite 
stammt aus dem 17. Jahrhundert und enthält aus der Vita sancti 
Honorati neben der Porcarius-Legende auch „De S. Caprasio ex- 
cerpta . . .“ 

2. D und R schliefsen so gut wie jene von Meyer in Romania 
VIII, pg. 633 erwähnte Hs. mit den Worten significauerunt . . . 
interitum et ruinam. (Amen.) Der Schlufs ist etwas plötzlich 
herbeigeführt, und man ist der Meinung, dafs so die Vita eigentlich 
nicht enden sollte. Um so weniger ist es zu verstehen, dafs, wenn 
die Vita den harmonischen Schlufs von a gekannt, sie ihn nicht 
auch benutzt hätte. 

3. glaube ich aus der Disposition der ersten Zeilen des Mar- 
tyriums (in der Vita ungefähr 5 i, s 17 ) meine Behauptung stützen 

zu können. Sie ist 


1 Appendix ad tom. 24 — 28, her. von Poncelet, pg. 166 und 194. 


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*5 


in a 

Angriff der Sarazenen und Ver- 
wüstung des Landes 

Flucht der Anwohner 

Nochmals Verwüstung des Landes 

Fall der besten christlichen Führer 

Also bei a verworrene, in DR klare Disposition. Es ist kaum an- 
zunehmen, dafs DR aus der verworrenen Anlage von a eine klare 
Disposition herausgeschält und zugleich noch den Inhalt durch 
epische Zusätze dem Vorhergehenden angeglichen habe. Wohl 
aber ist es denkbar, dafs a die verworrene Gliederung herbeigeführt 
hat in seinem Bestreben, alle volksepischen Bestandteile auszuschalten, 
die es in der Vita vorfand. 

4. finden sich in a mehrere unklare Stellen, die in einem 
Original sich wohl kaum finden würden und in DR in der Tat 
nicht vorhanden sind: Nachdem 505 Mönche sich zum Martyrium 
bereit erklärt haben, erzählen DR weiter: 52,34 Ceteri cum omnibus 
nauigijs et preciositatibus monasterij celere recesserunt Eine ent- 
sprechende Stelle fehlt in a. Trotzdem finden auch in a die 
Sarazenen bei ihrer Landung keine Schätze vor. — Ähnlich über- 
rascht uns in a die allein durch die Furcht motivierte Flucht des 
Eleutherius und Columbus sowie die darauf folgende plötzliche 
Ankunft der Sarazenen, während beides in DR vorbereitet wird 
durch 52, 38 : Et post dies septem prospiciunt Lyrinenses, et ecce 
multitudo nauigiorum proueniens ab occasu . . . properabat ad in- 
sulara Lyrinensem. — 53 » 20- Columbus, der sich mit Eleutherius in 
der Höhle verborgen hat, sieht, dafs die in der Luft einander er- 
wartenden Seelen der Märtyrer auch dann noch warten, als bereits 
alle hinaufgestiegen sind. Er erkennt daran, dafs sie auf ihn noch 
warten, und gibt sich ebenfalls den Sarazenen zum Märtyrertode 
hin. So DR; a dagegen erwähnt gar nicht, woran Columbus er- 
kannte, dafs die Seelen der andern gerade auf ihn noch warteten; 
es schreibt: Columbus verö et Eleutherius . . . videntes . . . sociorum 
animas in aere sicut stellas fulgentes cum Angelis gloriantes et sese 
inuicem prestolantes, dixit Eleutherio Columbus, nonne vides cum 
quanta gloria fratres nostri qui modo passi sunt nos expectantes 
ascendunt ad coelum? Auch hier zeigt sich somit DR als das 
Verständlichere und damit wohl die Vita als Original. 

5. beweist m. E. folgender gemeinsamer Fehler ebenfalls die 
Abhängigkeit des a von der Vita. 53, 36 schreiben DR gauinarum, 
a an der entsprechenden Stelle bavinarum, id est avium mariti- 
marum (eine Anm. fügt hinzu: cuius modi fuerint istae aves marinae, 
haud invenio). gauina selbst ist kein lat. Wort (= lat. gavia), 
sondern erst nach dem prov. gavina gebildet, bavina existiert über- 
haupt nicht Hier ist doch wohl das allerdings verderbte gauinarum 


in DR 

Angriff der Sarazenen 

Schlacht und Sieg der Sarazenen 
Flucht der Anwohner 
Verwüstung. 


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26 


und nicht das nicht existierende bavinarum als Vorlage für das 
andere anzusehen. 

Ich glaube somit gezeigt zu haben, dafs nicht a, sondern die 
Vita das Original war. Demnach könnten wir versuchen, a in den 
Stammbaum einzureihen, a eine bestimmte Stelle anzuweisen, wird 
uns jedoch nicht gelingen. Wir können vielmehr nur die Zwischen- 
stellung von a zwischen D und Rf feststellen. Denn 

1. zeigen folgende Beispiele das Zusammengehen von Da 
gegenüber Rf: 

52.2 6 Da Occultemus uenerabiles reliquias, ne a sacrilegis 
contingantur; R fügt hinter Occultemus noch prouide ein, ähnlich 
f ben e devotamentz — 

53,4 Da Qui discedentes; R fügt clam hinter Qui ein, ähnlich 
f Embleron si „stahlen sich weg“ — 

2. Dafs a nicht abhängig von D, beweisen folgende Belege: 

51,2g D beati Petri apostoli; dazu fügen R Lirinensis pro- 
tectoris, a Lerinensium incolarum protectoris, ähnlich f Car eil es 
de l’islla patrons — 

52.27 D: a paganis prophanis, R: a prophanis, a: ä profanis — 

53. 6 D litora Lyrinensia; R litora insule Lirinensis, a eben- 
falls insulae Lerinensis — 

Genaueres läfst sich über die Stellung von a im Stammbaum 
nicht sagen. — Für die Textausgabe besitzt a insofern einige Wichtig- 
keit, als in a zwei DR gemeinsame Fehler (5 1, 12 und 52, 33 ) be- 
reits gebessert sind und diese Besserungen nun blofs aus a über- 
nommen zu werden brauchen. 

Was k, die ziemlich wortgetreue katalanische Übersetzung, 
anbetrifft, so ist hier das vorhandene Material so gering, dafs es 
für eine Ausgabe des lat. Textes absolut wertlos ist. Ja es reicht 
nicht einmal hin, um k in den Stammbaum einzureihen. Die k 
zugrunde liegende lat. Hs. stand näher zu D als zu PR. Das 
zeigen Beispiele wie 

1,28 D filium, k fill, PR puerum — 

2, 5 D petebat ab eo, k demana li, PR petebat — 

2,8 Dv fili mi, k Fill meu, PR fili — 

53, 3l D totam noctem, k tota la nuyt, R noctem — 

Dafs aber k unabhängig von D ist und dessen Fehler nicht 
übernimmt, zeigt: 

51.7 D duces Uezianum, R fügt hinzu et Amaudum, daher 
k e Arnaut duch. 


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27 


Es fragt sich daher, ob k unter oder über a , ob auf dem 
D- oder dem PR -Zweige des Stammbaums einzutragen ist. . Denn 
dafs k richtig schreibt (zu 2, 38 ) e aytant lenfant havia major 
espaventament und (zu 5 1, 8 ) companya, während a in beiden 
Fällen falsch schreibt 1 , berechtigt uns noch nicht, k über a an- 
zusetzen. Es braucht das keineswegs an einer fehlerlosen Vorlage 
zu liegen, sondern das können sinngemäfse Besserungen von k 
selbst sein. 


Bemerkungen über Quellen, Verfasser, Entstehungsort 

und -zeit der Vita. 

Quellenangaben: Wenn ich der Quellenfrage einen besonderen 
Abschnitt widme, so soll damit nicht gesagt sein, dafs ich diese 
Frage auch nur annähernd lösen zu können glaube. Denn woher 
der Verfasser die Wundererzählungen und die übrigen, durch die 
Geschichte nicht belegten Tatsachen aus Honorats Leben genommen 
— ob aus Niederschriften, ob aus volkstümlichen mündlichen Über- 
lieferungen oder woher — , das wird sich wohl nie entscheiden 
lassen. Auch auf die Bestandteile, die ihm in grofser Zahl die 
afrz. Volksepen, die Bibel (vgl. Stellen wie7, 32 ; 18, 19 ; 31,4; 34,33 ; 
52,j ff.; 52,22 u. a.) sowie Urkunden der Lerinensischen Kloster- 
bibliothek (päpstliche Bullen, Klosterchronik) lieferten, will ich nicht 
näher eingehen, zumal hierauf z. T. in den Vorarbeiten schon auf- 
merksam gemacht ist. Hinweisen möchte ich vielmehr nur auf 
folgende zwei Quellen, die übrigens von Hosch im I. und II. Teile 
seiner Diss. auch schon erwähnt sind: 

1. Die Leichenrede des Hilarius auf Honorat. Diese hat 
nicht nur den Rahmen abgegeben, in den die Vita die einzelnen 
Ereignisse hineinbaute, sondern zeigt auch wörtliche Überein- 
stimmungen mit der Vita. Es sind in der Hauptsache folgende 
Stellen : 


Sermo (nach Migne, Bd. 50). 

Assistit tironi suo Dominus con- 
solator, nec dissimulat unum ei ex 
germanis suis in collegium suscitare 
. . . et senior iuniorem secutus . . . 
sicut collegio illum, ita etiam virtute 
comitatus est — 

transit letitia in serenitatem; mem- 
brorum vigor animi vigore mutatur . 
Virtus corporis in virtutem spiritus 


Vita (nach D). 

7, ja ... astitit iuxta eum Dominus 
Ihesus Christus, sollicitus consolator, 
. . . et ait suo sincero tyroni: „Ecce 
iam te cum tuo germano recipio in 
collegium electorum meorum, quos 
non minus comitaberis consortio quam 
uirtute.“ — 

7, 21 ... transit illico uigor eius in 
uirtute spiritus et efficitur totus alacer 
(PR alter) — 


1 Vgl. den Abschnitt „Textbesserungen“. 


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2 8 


Sermo (nach Migne, Bd. 50). ] Vita (nach D). 

raigrat . . . Facies ... fit plena gra- 
vitatis . . . Ita repente totus alius ex 
alio ostenditur — 

. . . tanto magis fama emicabat, et 
alter alterum laudi objicere ... et ad 
unum communem virtatem (al. virtutnm 
apicem) referre . . . Iam quse illorum 
gravitas, quam senilis maturitas, quam 
rara feminarum visitatio etiam pro- 
ximarum . . ., quam blanda consolatio 
et quam sollidta custodia . . . An- 
gelica ab illis vita in terra ducebatur, 
in multa patientia, in vigiliis, in je- 
juniis, ... in verbo veritatis, in vir- 
tute Dei — 

ut non aliter genitor ipsius, quam ! 8, ]0 Andriochus ... tamquam or- 

orbatus filio pater lamentaretur — I batus filijs laraentando — 

2. scheint auch die sog. Chronik des Turpin der Vita manches 
Motiv geliefert zu haben. Man vgl. nur Kap. I der Chronik: De 
eo quod Apostolus Jacobus Karolo apparuit mit Vita io, 32 ff.; 
Kap. II: De müris Pampiloniae per semetipsos lapsis mit Vita i6, 37 ff.; 
Kap. IV: De idolo Mahumet mit 24,5, ff.; oder folgende Worte aus 
Kap. XII: Mox ut Aigolandus agnovit loquelam suam arabicam, 
quam Karolus loquebatur, miratus est multum et gavisus est. Di- 
dicerat enim Karolus linguam sarracenicam apud urbem Toletum, 
in qua, cum esset iuuenis, aliquanto tempore commoratus est — 

II *t5— 19 UQ d IO »26-32* 

Verfasser: Über den Verfasser finden wir in der Vita auch 
nicht die geringste Angabe. Fragen wir aber, wer in erster Linie 
dazu berufen war, dieses Leben zu schreiben, so müssen wir sagen: 
ein Mönch von Lerins. Ein solcher hat in der Tat die Vita ge- 
schrieben. Denn wer anders als ein Lerinenser Bruder sollte, ab- 
gesehen von aller andern Belesenheit, eine solche Kenntnis der 
Geschichte des Klosters besitzen? Wer eine solche Kenntnis der 
Kloster bibliothek , dafs er Bemerkungen machen konnte wie 39, 6 
De cuius uita multa sunt miracula scripta in insula Lyrinensi oder 
47,37 Cuius uita laudabilis plena miraculis habetur in insula Liri- 
nensi? Es bliebe allerdings noch die eine Annahme, dafs das 
Kloster für die Abfassung der Vita seine Bibliotheksschätze einem 
Fremden zur Verfügung gestellt habe. Doch ist das ganz un- 
wahrscheinlich. 

Also ein Lerinenser Mönch hat die Vita verfafst Nun kennen 
wir bereits einen Klosterbruder, der sich mit dem Leben Honorats 


19,29 • • • diffundebatur fama eorum, 
et alter trahens alterum ad desideratum 
uirtutum apicem concurrebant, . . . 
eratque in illis morum grauitas et 
senilis maturitas et rarissima sanctarum 
et cuiuslibet uisio feminarum. Erat 
namque blanda consolatio et sollicita 
obsequia . . . ; tota uero uita eorum 
erat in multa paciencia, in uigilijs, 
ieiunijs, . . . uirtute et ueritate — 


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29 


beschäftigte, nämlich R. Feraut. Es erhebt sich daher die Frage: 
Sollte nicht, wie es zuweilen vorgekommen, Feraut selbst die Vita 
verfafst und dann in prov. Verse übertragen haben? Diese Frage 
ist zu verneinen. Dafs Feraut nicht auch das Latein verfafst haben 
kann, ergibt sich aus folgendem: 

i. macht das prov. Gedicht eine viel ausgedehntere Ver- 
wendung von afrz. Epen als die Vita* 


2. bringt f in Kap. CXV 1 II ein Wunder, von dem es ausdrück- 
lich bemerkt, dieses habe nicht in seiner Quelle gestanden. Hat 
aber Feraut die Quelle verfafst, warum hat er dann das betreffende 
Wunder dort nicht mit untergebracht? 

3. bringt f in Kap. LXXVI eine etymologische Erklärung des 
Ortsnamens Draguignan. Der Name fehlt im Latein überhaupt, 
während dieses doch sonst ähnliche volkstümliche Etymologieen 
nicht verschmäht (vgl. 15,29 Lirinus; 38,39 Arlucum). 

4. Besonders deutlich zeigt sich die verschiedene Autorschaft 
an folgender Stelle: 


30, 8 . ., ubi ad presens dicti draconis ossa 
strantur; f dagegen in Kap. LXXVI On esteron li 
c’on los mostrava De la mala serpenb 


arida demon- 
os lonctemps, 


5. Wie schon an anderer Stelle hervorgehoben, ist aus der 
Vita deutlich zu ersehen, dafs die Porcarius - Episode mit zum 
Ganzen gehört, f dagegen trennt sie nicht nur äufserlich mehr 
als die Vita von dem übrigen Text, sondern hebt auch ausdrück- 
lich hervor, dafs sie nur als eine Art Anhang aufzufassen ist. 
App. Kap. I: Ben pensiey esser quitis deus aquest’ hora enant, 
Pueys que avia complit la Vida del cor sant: Comandament m’a 
fag l'onratz payres en Crist . . . Qu’escrivia lo martiri dels mone- 
gues eine eens. 


6. finden sich, wie schon erwähnt (vgl. Seite 12 — 13), in f 
manche Ungenauigkeiten, die im Latein nicht vorhanden sind. 


7. ist anzunehmen, dafs Feraut als Verfasser der Vita die 
lat Original-Hs. für den prov. Text benutzt hätte. Wie jedoch die 
Erörterungen über f zeigten, hat dem f das Original nicht zu 
Grunde gelegen. Dann hätte aber mindestens Feraut in f keine 
Fehler lat Abschriften mitmachen dürfen. Auch das scheint ihm, 
wie wir sahen, passiert zu sein. 


Somit ist klar, dafs Feraut die Vita nicht verfafst haben kann. 
Darüber aber, wer sie sonst geschrieben, könnte uns wohl nur die 
Original-Hs. Auskunft geben, und die ist leider verloren. 


Entstehungsort: Die Frage nach dem Entstehungsort ist schwer 
zu beantworten, da sich in der Vita nirgends eine bestimmte An- 


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30 


gäbe darüber findet Meyer 1 nennt nach dem Grundsatz „is fecit 
cui prodest“ die Insel Lörins. Das erscheint auf den ersten Blick 
als das Wahrscheinlichste, zumal wir sahen, dafs als Verfasser nur 
ein Lerinenser Mönch in Frage kommen kann. Trotzdem kann 
ich mich dem nicht anschliefsen. Dafs die Vita dort nicht ent- 
standen ist, glaube ich aus folgendem zu erkennen: 

Zunächst gebraucht die Vita, wenn sie von der Insel spricht, 
immer nur Adverbia wie illucf, illic, ibi, ibidem, ein hic oder huc 
aber ist auch nicht einmal zu belegen. (Wohl steht 35,35 hinc, 
doch gleich dabei wieder ibi, inibi. Letztere sind hier auch allein 
richtig, da der redende Honorat sich gar nicht auf Lerins befindet) 

Ferner berichten die Hss. i 8, 11 _ 15 von einer grofsen, die ge- 
samte Provence umfassenden Schenkung Karls d. Gr. an das 
Lerinenser Kloster. Nun existierte 2 im Kloster bereits im 12. Jahrh., 
also vor Abfassung der Vita, eine Schenkungsurkunde, durch die 
Pipin den Mönchen grofse Ländereien und viele Vorrechte über- 
läfst. Ein Vergleich dieser in v teilweise wiedergegebenen Urkunde 
mit dem Bericht der Vita zeigt, dafs offenbar beide dieselbe 
Schenkung meinen. Trotzdem hat die Vita von der Urkunde 
keinen Gebrauch gemacht. 

Sodann erzählt Feraut, dafs die Vita aus Lerins nach Rom 
gebracht, lange Zeit verloren gewesen und erst kürzlich wieder- 
gefunden und durch einen Mönch aus Rom zurückgebracht sei. 
(Kap. I: De Roma l’aportet uns monges de Leris; De lay si 
trays li gesta d’una antigua scriptura. — Kap. I des Anhangs: 
Qu’entro en aquest temps avia estat perduda. — Kap. V des An- 
hangs: Pueys an apareyllat e barcas e huciers, E met y lo trezaur 
trastot le cellariers . . . E cesta sancta vida que sant Honorat fey, 
Qu’estet dous aquel temps perduda et ablatada Tro Dieus per sa 
merce la nos a revelada.) In „aportet“ glaube ich einen un- 
zweifelhaften Beweis dafür zu erblicken, dafs die Vita von aufser- 
halb nach Lerins gebracht wurde. Eine gewisse Garantie für die 
Richtigkeit des „aportet“ steckt in „entro en aquest temps“; 
dieses zeigt nämlich, dafs es sich hier keineswegs um eine alte 
Klosterüberlieferung handelt. Es bliebe nur der Einwand übrig, 
Ferauts Darstellung sei falsch, und das anzunehmen ist kein Grund 
vorhanden. An „de Roma“ allerdings sowie an der „antigua 
scriptura“ wage ich zu zweifeln. Denn der Mönch brachte die 
Vita offenbar daher, wo sie entstanden. Dafs sie aber in Rom 
entstanden, dafür gibt es auch nicht den geringsten Anhaltspunkt. 
Hier hat doch wohl Feraut der Darstellung zu Liebe eine kleine 
Fälschung begangen. Es pafste das so schön in den Rahmen: 
Überfall des Klosters durch die Sarazenen, Rettung der Schätze 
und somit auch der Bibliothek nach Rom, Rückgabe der Bücher 
von — Rom. Ich möchte vielmehr den Entstehungsort, da Lerins 

1 Romania VIII, pg. 486 ff. 

* Romania V, pg. 346, Anm. 1. 


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3 l * 


selbst wegfallt, in der Nähe der Insel auf dem Festlande suchen. 
Wenigstens weisen dahin fast alle in der Vita vorkommenden Orts- 
namen. Vielleicht war es eine der von L6rins abhängigen Prioreien 
oder Pfarreien, wo ein Bruder Mönch seine freie Zeit damit zu- 
brachte, das Leben des verehrten Vaters aufzuschreiben, nachdem er 
zuvor die Klosterbibliothek zu diesem Zwecke durchgesehen hatte. 

Doch welches auch der Entstehungsort gewesen sein mag, 
soviel ist sicher, dafs die Vita schon früh auf Lerins in Abschriften 
vorhanden gewesen und kleinere Abschnitte aus ihr, hier und da 
zerstreut, auch in andere Lerinensische Hss. übergegangen sind 
(vgl. die auf Seite 3 erwähnten Bruchstücke aus Barralis). In vielen 
Abschriften scheint sie allerdings überhaupt nicht verbreitet gewesen 
zu sein. Denn der Kompilator von v, der um 1500 sicher ur- 
kundliches Material von L6rins benutzte 1 und demnach wohl auch 
eine Lerinenser Hs. dem Druck zugrunde legte, sagt ausdrücklich 
auf dem Titel*: Habes hoc insigni novoque opusculo, lector optime, 
quod alii quidem tibi Codices perpauci dabunt 

Ja 100 Jahre später konnte Barralis auf Lerins und in andern 
Archiven der Umgebung auch nicht eine Spur mehr von der Vita 
entdecken. 3 Seitdem war sie gänzlich verschollen, und erst in 
neuester Zeit ist sie wieder ans Tageslicht gezogen worden. 


Entstehungszeit: Auch über die Entstehungszeit läfst uns die 
Vita vollkommen im unklaren. Meyer 4 nimmt das Ende des 12. 
oder Anfang des 13. Jahrhunderts an. Das ist m. E. etwas zu früh. 
Als Terminus ad quem bleibt selbstverständlich das Jahr 1300 be- 
stehen als Abfassungszeit von f. Nun der Terminus a quo: 45, 10 
wird die Bekehrung sarazenischer Seeräuber aus Murcia, 45,28 sogar 
des Herzogs von Murcia erwähnt. Ich meine, wenn die Vita das 
schreibt, so mufste die Christianisierung von Murcia mindestens 
schon begonnen haben. Sie begann mit der Unterwerfung durch 
Alfons von Castilien i. J. 1236. Ferner 51,4 wird ein rex Granate 
genannt. Nun gehörte Granada bis 1238 zum Kalifat Corduba und 
war erst seit dieser Zeit selbständiges Königreich. Es ist daher 
auch nirgends in den älteren französischen Epen von einem König 
von Granada die Rede. 5 Hieraus schliefse ich, dafs die Vita nicht 
vor den vierziger Jahren, ev. erst in der 2. Hälfte des 1 3. Jahrhunderts 
entstanden ist. Dazu stimmen auch folgende Tatsachen: 

1. Feraut sagt, wie schon erwähnt, dafs seine Quelle bis vor 
kurzem verloren gewesen war, nun offenbar deswegen verloren, weil 
sie bis vor kurzem noch gamicht existierte. 

1 Vgl. Hosch ( 1 . c.). 

* Vgl. Romania V, pg. 240. 

* Ich schliefse das daraus , dafs er, der alle erreichbaren Archive nach 
Nachrichten über Lerins durchsucht hat, die Vita vollkommen ignoriert. 

4 Romania VIII, pg. 486 ff. 

* Vgl. E. Langlois, Table des Noms Propres de toute nature compris 
dans les Chansons de Geste, Paris 1904. 


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3 * 


2. Nostradamus erzählt in seiner „Histoire de Provence“ 
pg. 320 — 21 die Geschichte der unschuldigen Sibilia (41,1s ff.) und 
behauptet, das habe sich z. Z. Karls L von der Provence zugetragen, 
welcher 1246 — 85 regierte. Die Geschichte ist in der Tat derart, 
dafs sie wohl passiert sein kann. Aber Nostradamus hat sich überall, 
wo er nachgeprüft werden konnte, als Schwindler erwiesen 1 , sodafs 
auch dieser Amgabe nicht zu trauen ist 


Textbesserungen. 

An Lexicis usw. habe ich benutzt: Die lat. Wörterbücher von 
Georges, Du Cange und Forcellini; Körting, Lat-romanisches Wörter- 
buch; den Thesaurus Linguae Latinae; Rönsch, Itala und Vulgata; 
Gradenwitz, Laterculi Vocum Latinarum. 

1,20 schreiben DR sectionem, dessen Bedeutung hier nicht 
palst. P hat ein ganz unverständliches fiecionem. Zu schreiben 
ist, wie Meyer bereits Romania VIII besserte, seductionem — 

2. 6 DPR Cui puer inter alia dixit ei, quod ... ist unmöglich, 
ei mufs gestrichen werden — 

2, lt DPR susurrores existiert nicht. Ist vielleicht entstanden 
durch Mischung von susurratores „Mucker“ und susurrones „Flüsterer, 
Ohrenbläser“. Schreib susurrones, welches am besten pafst zu dem 
folgenden et fictores — 

2, S8 DPR tanto maiori percunctabatur terrore (P bessert nach- 
träglich in percutebatur) pafst nicht recht, da percunctari = über- 
legen. Es ist daher besser zu schreiben t. m. percutiebatur t 
(vgl Anm. zu 3, S8 ) — 

3,24 DPR cunctabatur ad patrem suum quantocite properare. 
Wie das folgende Caprasius prospicieDS iuuenem celerem ad regressum 
zeigt, ist jedoch gerade das Gegenteil von cunctari = zögern be- 
absichtigt Schreib daher nach 40, 39 percunctabatur, sodafs der 
Satz den Sinn bekommt: „er überlegte, wie er so schnell als mög- 
lich . . . könnte“ — 

3,3 8 DPR summo gaudio percunctatus. Mufs natürlich heifsen 
percussus (vgl. Anm. zu 2, 38 ) — 

4, 16 D experta dolis muliebris, PR mulcebris. Beides kann 
kaum richtig sein. Es ist zu ersetzen durch muliebribus — 

5,22 DPR Attende . . . contrariam omni naturali opinioni. Con- 
trariam ist offenbar Adjektiv, denn das entsprechende Substantiv 
lautet contraria, orum und würde aufserdem hier wenig passen. Ich 
ergänze daher als fehlendes Substantiv doctrinam — 

6. 7 DPR fallacijs scripturarum christianorum, que ad placita 
sunt scripta. Schreib richtig scripte — 

1 Vgl. Revue de» sociitis savantes, 6e »6rie, t. II, pg. 56 ff. 


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33 


6, 14 DPR funestrem uitam ferentes. Funestrem existiert nicht 
und ist wohl entstanden durch Mischung von funebrem und funes- 
tam. Es ist daher zu ersetzen durch funestam — 


6,, 5 DPR lugubri „traurig“ mufs geändert werden in lugübres, 
da das Wort nur nach der 3. Deklination geht — 

7,20 DPR sed tue uirtutis indeficiens dextera . . . perficiat celesti- 
bus regnis dignum. Es fehlt zu perficiat das zweite Objekt me, 
welches vor perficiat einzufügen ist — 

8, 7 DPR inter nebula ist falsch, da immer nebula, ae f. Schreib 
daher nebulam — 


8,29 DPR ob rite ist falsch und wohl entstanden aus Mischung 
von ob ritu und rite. Zu schreiben ist daher ob ritu oder rite. 
Ich entscheide mich für letzteres — 


8,3g DPR serpente diabolo . . . impellente peplice uentorum 
turbines. Peplice existiert nicht und ist wohl ein Schreibfehler statt 
poplice (= publice) „allesamt, insgesamt“ — 

9, 18 D contemptiose insospite et a Dei famulis discesserunt. 
PR fehlt et. Es ist wohl am besten zu ändern in contemptiose et 
insospite a Dei . . . f (Kap. XV, Vers 61): Dels santz si van partir, 
guabant e contendent — 

9,20 DPR ut üenuudatis uestibus, quas ferebant, eorum precio 
ductorem conducerent. Wie quas zeigt, ist eorum zu bessern in 
earum — 


9,29 DPR constipti celibe sese ex inconstanti animo . . . deuulta- 
bant. Constiptus existiert nicht, und celibe „unvermählt“ ist hier 
unverständlich. Ich ändere daher in conscripti celite „die himmlisch, 
d. h. von Gott Auserwählten“ — 

10,2 DPR ad opidum, qui nominatur Uercellum. Da sowohl 
opidum wie Uercellum Neutra sind, ist qui durch quod zu er- 
setzen — 

10,9 DPR uiderunt . . . lumen cadere ut Stella. Stella ist wohl 
ein Schreibfehler für stellam, wenigstens steht an der ähnlichen 
Stelle 53,21 die entsprechend richtige Form (allerdings nur in 
D, nicht in R): uidebant lucidas sanctorum martirum animas sicut 
stellas ... — 

10,24 * st > w ^ e bereits Meyer in Romania VIII, pg. 486 ff. getan, 
hinter conuallata ein et einzuschieben. So auch in f (Kap. XVII, 
Vers 13 ff.): 

El temps antic que malvestatz 
De ley de payania 
Mantz reys e raantz apoestatz 
Ac mei en heregia . . . 

Et a Pepin duc de Bayviers 
Fazien guerra e tenza ... — 


3 


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34 


n,24 D Non dedigneris felicitatem meara conspernere „Ver- 
achte 1 raein Glück!“ PR schreiben infelicitatem „Verachte mein 
Unglück!“ Der Sinn ist aber offenbar „Verachte mein Unglück 
(d. h. mich Unglückliche) nicht!“ Daher f (Kap. XIX, Vers 63): 
Non laysar la mesquina! und k: No vuylles meynsprear aquesta 
malauyrada! Die Stelle ist daher zu bessern in: Non digneris 
infelicitatem meam conspernere! — 

12, j 3 fehlt in DPR hinter ageretur ein contigit ut — 

1 2, 15 DPR funestri uoce. Funestris existiert nicht (vgl. Anm. 
zu 6 fl 4 ). Schreib daher funesta uoce — 

13.8 DPR et, quidnam esset, obtractans. Obtractare = 
verkleinern. Offenbar ist hier das andere Kompositum per- 
tractare = überlegen gemeint Demnach ist zu bessern in per- 
tractans — 

14.9 DPR discurrentes per . . . nemoris latebrosa. Latebrosus 
ist Adjektiv. Es fehlt conuallia, wie 17,21 zeigt: Cum . . . latebrosa 
conuallia perlustrassent — 

1 5,3 DPR cum me tua mors ilico connectabit. Die Form con- 
nectabit gibts nicht. Es wäre entweder an connectere = verflechten 
oder an connecare = simul necare zu denken. Ich halte letzteres 
für wahrscheinlicher und schreibe connecabit, obwohl auch connectat 
als Konj. Praes. etwas für sich hat in dem cum. f (Kap. XXVII, 
Vers 48): Huey mays morray vivent — 

15,1:3 DPI*, prosiliens trudde. Trucide existiert nicht und ist 
zu ersetzen durch truciter = atrociter „wild“ — 

15,33 DR insulxit . . . rugilus et sibilus colubrorum, P insulit 
Da weder insulxit noch insulit existiert, schreibe ich insurrexit „er- 
hob sich“, f (Kap. XXVIII, Vers 105): Siblan tan fort e cridan — 

16.25 DPR expansit (Perf.) ist zu bessern in die grammatisch 
richtige Form expandit — 

17,7 fehlt wohl in DPR maximus enim erat vor sapienda und 
mufs eingeschoben werden — 

i 8, 13 D inter mare, riueriam, Alpes, qui superstant Ytaliam 
et per Durenciam et Rodanum deriuatur ad mare. PR schreiben 
z. T. anders, haben aber mit D die beiden Fehler qui und 
deriuatur gemein. Diese sind zu bessern in que und deri- 
uantur — 

18,27 DPR fehlt hinter peccatorum remissionem das Haupt- 
verb, etwa concessit f (Kap. XXXVI, Vers iff.): Trastut ciyll . . . 
Aian aquell perdon que ... — 

19.25 DPR maturatus et perfecte digestus „gereift und voll- 
kommen aufgelöst“. Maturatus pafst m. E nicht recht in diesen 

1 conspernere habe zwar in keinem Lexikon finden können; ich nehme 
aber au, dafs es die Bedeutung des Simplex hat. 


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35 

Zusammenhang. Ich ersetze es daher durch maceratus „abgehärmt, 
entkräftet“ — 

20, j 4 DPR reddere grata in der Bedeutung „Dank abstatten“ 
gibts nicht. Schreibe daher reddere gratias — 

21. 8 DPR sacra tecta. Meyer schlägt in Bull. hist, et philoL 
( 1 . c.) als Konjektur sacra texta vor — 

2 i tl 0 DPR seculi dignitates, que eo inuito faciebat populus. 
Que ist zu ersetzen durch quas — 

22.3 DPR funestre obsequium. Vgl. die Anm. zu 6, 14 ; I2, 15 . 
Hier ist wohl am besten funebre einzusetzen — 

22, lg DPR illecebrum fomitem. Illecebrum existiert nicht 
und ist wohl entstanden durch Einflufs von illecebra, ae f. 
„Lockung“ und illecebrare. Ich bessere in illecebrosum „ver- 
lockend“ — 

22.32 DPR in hac uita lubrici ist verderbt. Ich ersetze lubrici 
durch lubrica — 

22, 36 DPR tanta infectione acenositatis tumentis . . . pre- 
grauatus. Acenositas gibts nicht. Es ist offenbar beeinflufst durch 
, cenositas „kotiger Ort, Pfuhl“. Zu schreiben ist ulcerositatis 

„Eiterung“ — 

23.4 DPR serpens obtenebre „Schlange der Finsternis“. Ob- 
tenebre gibts nicht und ist wohl gebildet in Anlehnung an obtene- 
brare. Bessere in tenebre — 

23.8 DPR anxiebatur (in R nachträglich aus anxiabatur) ist zu 
ändern in anxiabatur (vgl. 23,4 anxiatur), da dieses Verb nirgends 
nach einer andern als der 1. Konjugation vorkommt — 

23,42 DP delirositatem existiert nicht, R demulsitatem ist 
ganz unverständlich. Ich schreibe daher deliritatem „Wahn- 
witz“ — 

23,34 DPR Sed quia nullum malum impunitum et irremunerabile 
quodque bonum ... Et ist natürlich falsch und durch nec zu er- 
setzen — 

23,30 DPR meritoria pusillanimitate complexus. Der Sinn soll 
offenbar sein „von verdienter, gerechter Kleinmut gepackt“. Meri- 
torius hat aber diese Bedeutung nicht. Ich bessere deshalb in 
merita — 

23,38 DR per latebra, P per latebrosa ist zu ändern in per 
latebras — 

24.33 DPR Que cum inficeret ueritatem. Obwohl hier inficeret 
eventuell stehen bleiben könnte, glaube ich doch mit 27,3 (vgl. die 
Anm.) auch hier infiteretur dafür einsetzen zu sollen — 

24,33 D trubium, P tribuum, R rubium. Wie in directione 

zeigt, handelt 

es sich um einen Dreiweg. Ich schreibe daher tribium (nach Du 
Cange = trivium). f luec coveynable — 

3 * 


triplici secundum adequationem quadriuij discurrentis 


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36 


25.5 DPR loram sue cuculle. f (Kap. L, Vers 13): De sa 
coguylla un pannet. Lora, ae in einer passenden Bedeutung ist 
nicht zu finden. Ich schwanke zwischen oram = Saum und lorum 
= Riemen. Letzteres erscheint mir jedoch wahrscheinlicher nach 
19, 12 Tegebant . . . cilicium . . . corpus eius et caput arta melota — 

26,j D uerendo, que contigerant, PR . . . contingerunt. Beide 
Verbformen passen wenig in den Zusammenhang. Ich schreibe 
daher contingerent — 

26.33 DPR meritoriam ultionem ist zu bessern in meritam 
ultionem (vgl. Anm. zu 23, 36 ) — 

27,8 D Qui cum nichil inuenisset palst nicht zu dem vorher- 
gehenden requirebat. Wohl würde PR Que cum inficeret postulata 
stimmen, wenn inficere die Bedeutung „leugnen“ hätte. Es ist 
aber inficere = leugnen nirgends zu finden, wohl aber infiteor 
(daneben auch infitior und inficior, beide nach der 1. Konjugation) 
im Forcellini. Die Schreibung inficior bringt Forcellini mit in und 
facere zusammen: „quasi quis aiat, se non fecisse“. Ich glaube 
jedoch nicht, darauf weiter bauen und ein sonst nicht in dieser 
Bedeutung belegtes inficere als richtig ansehen zu können, und 
ersetze inficeret durch infiteretur. f: Car non lo li volc autreiar • 
(autreiar = versprechen, zustimmen, eingestehen und nicht, wie 
A. L. Sardou in Anm. 7 zu Kap. LXIX meint, = pardonner) — 

28, l4 DPR reprobis afficiens. Reprobum als Substantiv gibts 
nicht, sondern nur reprobrium = opprobrium, sodafs zu schreiben 
ist reprobriis afficiens — 

28, 17 und 28,21 sieht DPR dissimulanter fälschlich statt des 
Simplex simulanter „zum Schein, sich den Anschein gebend“. Da- 
gegen ist 2 8, 18 dissimulationibus „Verstellungen“ richtig — 

30,7 DPR (accedens) quam totius. Sinn: „so schnell als möglich“. 
Diese Bedeutung ist aber für quam totius nirgends zu finden. Ich 
bessere daher in quam citius — 

31,19 RDP Cumque iuuenis inficeret ita esse. Es ist zu ändern 
in infiteretur (vgl. Anm. zu 27,3) — 

32,2^ DPR per clam destina conuenticula. Destina ist offenbar 
falsch und muls durch destinata ersetzt werden — 

33. 6 ist eine in DPR in verschiedener Weise verderbte Stelle. 
D afflictum me grauiter et lesum assererem claudicare. P a. m. g. 
ficte asserens claudicare. R a. m. g. fictici eassererem claudicarem. 
Ich schlage folgende Besserung vor: a. m. g. et lesum assererem et 
claudicarem — 

34,24 D de illecebri intellectu, R dillecebri intellectu. Auch 
hier ist wie 22 , 18 (vgl. die Anm.) illecebrosus zu verwenden. Merk- 
würdigerweise flektiert dort *illeceber nach der 2., hier nach der 
3. Deklination — 

34.34 DR Illias pena cognoscetis (R cognosceritis) statt richtig 
penam — 


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37 


35*33 DR Tu uero . . . accepisti sollicitudinem sancti monas- 
terij . . ., adeo quod natiua sui dispositione ad hoc potissime habilis 
uidetur. Das Subjekt des Nebensatzes mit adeo quod kann m. E. 
nur die angeredete Person sein, sodafs sui durch tui und uidetur 
durch uideris zu ersetzen sind — 

42, 17 DR sub tirannida seruitute. Ein Adjektiv tirannidus 
gibts nicht. Schreibe daher tirannica — 

44,13 D lubricitas „Schlüpfrigkeit“ pafst nicht, und R lugru- 
brissitas, welches offenbar eine Ableitung von lugubris sein soll, 
existiert nicht. Ich bessere nach Du Cange in lugubritas — 

44, 21 DR flauento. Dieses Wort findet sich in keinem Lexikon. 
Das in f dafür stehende devendayll bedeutet „Fächer“. Die Be- 
deutung pafst sehr gut in den Zusammenhang und wird auch in 
die Vita zu übertragen sein. Es liegt daher nahe, in flauentum, 
ähnlich wie im Französischen und Italienischen, eine Imperativ- 
bildung von fla „wehe“ und uentum „den Wind“ zu sehen. Doch 
in der ganzen Vita kommt nicht eine ähnliche zweite Bildung 
vor, sodafs ich es für besser halte, nach Mustern wie liga- 
mentum, velamentum ein flamentum („Mittel zum Windmachen“) 
anzusetzen — 

44, 27 DR flauentum ist zu ändern in flamentum (vgl. Anm. 
zu 44, 2! ) — 

45, 1 9 DR anxiebatur bessere in anxiabatur (vgl. Anm. zu 

45*22 und 23 DR flauentum ist nach Anm. zu 44,21 zu ändern 
in flamentum — 

Kap. 40 a (= Kap. XCVI in f): oppressis ipsum Arnaudum . . . 
sors suprema statt richtig oppressit ... — Cur ploras et quam 
spectas statt richtig quid spectas. f: Que queres el boscaje? — 
Qui respondit. Da es sich jedoch um eine Frau handelt, ist Qui 
durch Que zu ersetzen, f li lassa respont v Que respondit — 

Kap. 41 a (= Kap. XCIX in f): a monte labitum grandis lapis. 
Labitum ist ein Versehen für labitur. f: Uns gros anglars venc 
daves Dina — Quod uxori sue existeret nunciatum. Hinter Quod 
ist ein fehlendes cum einzuschieben — inuenerunt . . . Hugonem 
oppressum requirentem. Requirentem ist unverständlich und zu 
ersetzen durch querentem „klagend“, da f: van trobar . . . Hugo, 
que soven si rancura — 

Kap. 41b: corrigebatur . . . absque eius infamie lesione. Infamie 
ist unverständlich und mit v zu bessern in fame — Que . . . monita 
non suscepit pacienter, ut liberius posset . . . Vor ut ist zum 
besseren Verständnis sed einzufügen — illecebrem uoluptatem. 
Nach Anm. zu 22, 18 ist illecebrem zu bessern in illecebrosam — 
Cumque dies festiuitatis . . . cebre coleretur. Cebre existiert nicht. 
Ich ersetze es durch das schon 2i, 32 vorkommende celebre „feier- 
lich“. (Nach Forcellini ist celebrus, a, um = celeber, is, e) — . 


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3 « 


mitis inductionibus statt richtig mitibus inductionibus — Cui . . . 
excreuerunt . . . ungue et capilli. Ungue ersetze durch ungues 
„Nägel“ — 

Kap. 4 1 d : in dicto manasterio versehentlich statt monas- 
terio — 

Kap. 41 e (= Kap. CV in f): collabantes ein Schreibfehler für 
collabentes — per dirupia fälschlich statt per derupta „durch die 
Abgründe“ — requirentes ab illis causam erroris ist zu bessern 
in . . . causam meroris „Ursache der Trauer“, da f: Que menas 
tal dolor? — ennarrates versehentlich statt ennarrantes — 

Kap. 41 f: aministrationem ein Schreibfehler für administrationem 
— sumisse ein Schreibfehler für submisse — 

Kap. 41 i: carpientes statt richtig carpentes. Carpientes offen- 
bar entstanden durch Mischung von carpentes und capientes — 

47, jj D Cumque mercator ex predictis discretione furoris tur- 
bine careret, R C. m. e. p. dispertus f. t chateretur. D ist ganz 
unklar. Ich schlage daher in Anlehnung an R die beiden Änderungen 
vor: desperatus (statt discretione, dispertus) und caperetur (statt 
careret, chateretur). Ich glaube wenigstens nicht, dafs dispertus 
als Gegenteil von compertus mit der Bedeutung „da er (aus vor- 
stehendem) nichts gelernt hatte“ stehen bleiben könnte — 

47,33 DR eriperant ist zu ersetzen durch die grammatisch 
richtige Form eripuerant — 

Kap. 43 a: nuncipatur versehentlich statt nuncupatur — Qui 
staret in promtu. Es fehlt cum vor staret — tumlarunt versehentlich 
statt tumularunt — 

Kap. 43 b (= Kap. CXII in f ) : dederunt eura principi Marro- 
chini. Marrochinus ist, wie das Folgende zeigt, Adjektiv und be- 
deutet „marokkanisch“. Es ist daher zu schreiben Marrochino. f: 
le princes marroquins — dederunt eum principi Marrochino. Hierauf 
sollte folgen, was der Fürst mit Dadauus machte. Das fehlt aber, 
und zwar versehentlich, denn f und v bringen es. f: Lo fez major 
de son palays. v: Dadanum (versehentlich statt Dadauum) con- 
stituit domus sue prepositum. Demnach ist hinter Marrochino 
einzufügen: qui eum constituit domus sue prepositum — redeptione 
versehentlich statt redemptione — 

48,7 DR creditor inuerendus. Inuerendus gibts nicht und ist 
zu ersetzen durch inuerecundus. f: Uns mals deutors — 

48,3g DR Cumque . . . inficeret ueritatem. Schreib infiteretur 
(vgL Anm. zu 24, 30 ) — 

49, 10 DR Vouis ist zu ersetzen durch Voues — 

Kap. 46 a (= Kap. CXVI in f): antistes versehentlich statt 
antistitem — Cumque antistitem sic diu diabolus deluisset. 
Deluisset ist zu ersetzen durch doluisset „gequält hatte“ — tale 
crimen . . ., quod coram Deo non erubui. Ergänze committere 


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39 


hinter quod! v: Maxime si illud coram oculis Domini perpe- 
trare non timui — antistem ein Schreibfehler für antistitem 
— ut te prepares pro meritis recepturum. Es fehlt das Objekt 
zu recepturum. Ich ergänze daher gloriam sempitemam — et 
uade asserci abbatem Porcarium. Es ist wohl am besten, hier 
mit v zu schreiben uade et accersi „geh und suche auf!“ v: 
Vade igitur et accersi sanctum abbatem — exigens consilium 
et habitum. Nach dem Vorbild anderer Stellen füge ich mo- 
nachalem zu habitum — Ipse uero statim tempore crebris ora- 
tionibus . . . uacans . . . obdormiuit. Der Satz scheint unvoll- 
ständig zu sein, wenn wir f und v damit vergleichen, f: Pueys 
venc a Lerins dreyta via, . . . E si det granz afflictions, . . . Si qu’el 
jorn e l’ora passet, Qu’el cors santz li denonciet, Als nobles ganz 
de paradis. v: Ipse vero toto quod sibi fuerat tempore orationi 
et penitentie vacans . . . Ich ergänze daher hinter statim: rediens 
ad Lirinum et toto — 


50,20 D nisi detegeris (R detegens). Detegeris ist durch die 
grammatisch richtige Form detexeris zu ersetzen — 

51,8 DR cum eorum clara sodali filiorum. Schreib sodalitate 
statt sodali — 


51,38 DR ex uera uite et inclita radicata ibidem. Es fehlt 
offenbar arbore, welches hinter ibidem einzufügen ist. f (App. 
Kap. IV, Vers 13 — 14): Bons albres fom aquest e de gran com- 
pliment: Tant s’es enrazinatz e sas brancas estent. 


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IL Hauptteil: Text.* 


De uita et gestis sancti Honorati . 1 

pag. i L Cum diabolus, pronus et sollicitus humani generis inimicus, 
intrasset in cor Johannis Gauni et una cum Machometo mago per- 
uertisset Affricam et occasum, ut prophana rabies aspiraret et per- 
5 fida heresis suos funiculos fa|ceret longiores et multitudo seducta 
gentem sibi attraheret grandiorem, Marsilius 2 , dux Spanorum 3 et 
totius occasus, frater magni Aigolandi 4 , qui predictam seductionem 
totis uiribus amplexatam faciebat per suos subditos et uicinos in- 
uiolabiliter obseruari, ut secum ad interitum subduceret Leonem, 
Constantinopolitatnum 5 imperatorem, Andriocho, fratri predicti im- 
peratoris, regi Nichomedie 6 et culminis Cumanorum, Helemborch 7 , 
io speciosam soro|rem suam, tradidit in uxorem cum bellatorum multi- 
tudine copiosa. Erat enim tune guerra ualida inter dictum impera- 
torem et Budach, regem Turchorum. Quorum bellatorum strenuitate 
dictus imperator uallatus, Nicheam, caput regni Turchorum, optinens 
uiolenter obsidebat afflictam Ascaloniam, munitissimam ciuitatem. 
Andriochus itaque, Helemborch 8 uxoris sue dolositate seductus, 
facinorosam heresim suscipiens cum suis subditis repudiauit catholi- 
15 cam unionem. Qui predictam Helemborch 0 | cognoscens filium 
genuit ex eadem. Que cum puerum gestaret in utero, paululum 
ante partum, dum dormiret, diluculo prospiciebat in uisu ex medio 
uentris sui igneam columpnam mire 10 fulgoris procedere et pertingere 
usque celum. Ex cuius fulgore radij progredientes ab uniuerso 

1 Die Überschrift aus R , fehlt D — * P Marscilius — * P Yspa- 
norum — 4 PR Aygolandi — 5 PR Constantinopolitanum — • PR Ni- 
comedie — 1 PR Helenborch, v Elemborch — • PR Helenborch — 

• PR Helenborch — 10 v miri 

* Der folgende Text gibt, ev. durch Anmerkungen, ein getreues Bild der 
Hs. D. Die fehlenden Wunder Kap. 40a, 41a — i, 43a — b, 46a sind aus 
R entnommen. Die Zählung am Rande folgt der Hs. D und ist angegeben 
in Abständen von je 5 Zeilen der Hs. Alle kursiv gedruckten Stellen sind 
Änderungen und finden ihre Erklärung in dem Abschnitt „Textbesserungen“. 
An Freiheiten erlaubte ich mir nur die, dafs ich den Gebrauch der groben 
Anfangsbuchstaben sowie der Interpunktionszeichen unabhängig von dem zu- 
fälligen Vorkommen in den Hss. regelte. Bei Angabe der Varianten habe ich 
mich im allgemeinen auf das Nötigste beschränkt, nur von Eigennamen sind 
jedesmal die abweichenden Lesarten der andern Hss., meist auch von v an- 
gegeben. 


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4i 


occasu fugabant caliginem tenebrosam. Andriochus enim in obsidione 
positus contra Turchos eadem hora dormiens prospiciebat in sompnis 
uxorem suam parere lucidissimam flammam igneam, cuius | scintille 20 
clarissime ab occasu fugabant erroneam seductionem. Expergefacti 
itaque uterque parentum sompnium semotim interpretari per proui- 
dos faciebant, quorum una et eadem interpretantium sentenda 
promulgatur, quod ab Helemborch 1 proles succederet nascitura, que 
sectam in occasu exortam de nouo penitus extirparet De cuius 
prouentu tristabantur parentes, et quam uiderant uisionem et inter- 
pretationem 2 illins alter ab altero occultabat. Formidabat itaque 
mater plurimum, que uirum induxerat ad | errorem, ut, si hec 25 
Andriochus presentiret, infantulum deperiret. Econuerso uir anxius 
cogitabat, quod, si mater didisceret uisionem, filiura extingueret suam 
progeniem consumptura. Qua de causa Andriochus treugam susci- 
piens ab obsessis ad locum sollicite properauit, ubi Elemborch 3 
morabatur. Cumque uera lux puerum uocaret ad lucem, cameraria 
intimauit Andriocho uxorem suam fllium 4 peperisse. Qui gradu 
concito properans deputauit puerum sub sincera custodia nutriendum, 
ne genitrix | furiosa cognita uisione, quem genuerat, deperiret, quem 3 ° 
Andronichum appellauit. Crescebat itaque puer et erat omnibus 
gratiosus. Cum uero Andronichus factus esset indolis placide 
uenustatis, constituit eum genitor cum sodalibus palatinis, qui illum 
more iuuenum ad lasciuiam et oblectationes seculi concitarent iocis 
lubricis inuoluentes. Qui licet inter lasciuos persisteret hylaris et 
iocosus, nunquam tarnen ad inmundiciam scelerum annuit inclinari. 

Erat namque ante Nichomediam foresta re|galis lata et spatiosa ac 35 
delectabilis ualde, diuersis fluminibus irrigata et ingentibus arboribus 
fructuosis constipata, ubi Constantinus imperator 6 , pater Andriochi 
regis, palacium construxerat mire pulcritudinis et amenitatis ingenio 
Cumanorum», ubi sua festa et consilia celebrabat. Ibi enim cum 
nutriretur puer, omni studio seruabatur a catholica nocione 7 . Quadam 
igitur die dum Andronichus cum suis sodalibus sub una arbore 
commederet in foresta, superueniens quidam iuuenis christianus 
a|more Ihesu 8 , regis paradisi, elemosinam postulauit. Andronichus pag. 2 
uero extimans nominatum regem paradisi amicum patris sui precepit 
liberaliter dicto iuueni necessaria ministrare. Erat enim tanta et 
tarn benigna liberalitate dotatus, quod etiam illa, que solent animos 
puerorum illascire, indifferenter indigentibus prodigaliter offerebat. 

Ad palacium autem Andronicho remeante, eum Elem|broch 8 leta 5 
suscipiens petebat ab eo 10 , que uiderat in foresta. Cui puer inter 
alia dixit, quod quendam uiderat de familia Ihesu Christi, regis 
paradisi, petens ab ea, si ille Ihesus Christus attineret 11 patri suo 

1 PR Helenborch, v Elemborch oder Elenborch (ist wegen der vor- 
handenen Abkürzung nicht genaa zu ersehen) — 1 D versehentlich inter- 
pretatiotionem , wovon das erste tio durch Interpunktion wieder beseitigt 
wurde — 8 PR Helenborch — 4 PR puerum — 6 imperator in D am 
Rand — • P Romanorum — 7 D noscione, dann s durch einen Punkt 
ungültig gemacht — 9 RPv Ihesu Christi, f per Ihesuchrist — 9 PR Helen- 
borch — 19 in PR fehlt ab eo — 11 Pv attingeret, R atingeret 


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42 


aut inimicus existeret uel amicus. Quod audiens mater acuto dolore 
percussa paululum lacrimando, ne iuuenis terreretur, ait: „Fili mi 1 , 
non est nec uiuit nec fuit ille Ihesus Christus rex, sed fuit quidam 
maleficus, qui fuit propter sua maleficia crucifixus, et omnes illi, 
io qui illum male|ficum colunt, sunt leprosi, putridi et infecti, et non 
possunt sanari, nisi unguantur sanguine nobilium puerorum, et 
uocantur christiani, et sunt homines blandi, pauperes, miseri, stisur- 
rones et fictores, oculos extenninantes et uultum, ut appareant circum- 
specti.“ Exinde igitur curauit mater sollicite, ne agnosceret christia- 
num nec eorum monita uel doctrinam. 

IL Cumque inualesceret rabies seductorum, exterminabatur 
ecclesia occidentis, et trucidabantur | immaniter christiani, et cum 
nullum preter Deum suffragium sperarent, cum non esset, qui pro 
eis se exponeret defensorem, inumentes se lacrimis et suspirijs trade- 
bant se seditioni furenti non miseranti eorum conditioni, sexui uel 
etati. Cum uero languor ingrauesceret et tabesceret ecclesia uni- 
uersa, misertus Dominus populo suo apparuit sanctis Caprasio, 
Maguncio 2 et Leoncio 3 , qui philosophie auctubus et culminibus 
derelictis uitam degebant heremiticam in Miridona 4 insula maris 
20 Creti, precipiens eis, ut | ad regalem forestam Nichomedie accederent 
et filium regis Nichomedie instruerent catbolicis documentis, adiciens 
per eundem extirpandam fore Agarenicam 5 fictionem. Accedentes 
itaque ad dictam forestam hij sanctissimi heremite, in eius arta 
solitudine occulti per multa tempora perstiterunt Deum assidue 
exorantes, ut misereri dignaretur ecclesie occidentis. Cum igitur 
placuit Conditori® hunc purum puerum aduocare, induxit eum cum 
25 suis sodalibus progredi ad uenandum. Qui cum siluam [ feris 
comodam perlustrassent , uenatores ceruum cum canibus insultantes 
fugientem rabide subsequuntur, quem Andronichus uelocius seque- 
batur. Fatigatis attamen socijs a discursu ceruum Andronichus 
sequitur animose. Cumque ceruus fugiendo uelociter se diuerteret 7 
per semitam latebrosam, eum Andronichus estimans inter asperam 
congeriem carceratum, ex equo descendens protinus euaginato gladio 
ceruum per semitam sequebatur. Cumque paululum per semitam 
30 processisset, | prospexit eminus in ipsius horrende uastitatis solitudine 
quamdam criptam, a qua proueniebant ei obuiam tres uiri candidi 
sicut lana. Quos cernens subito infantulus delicatus coopertos in- 
compta canicie et habitu resarcito uilibus coniuncturis expauit et 
contremuit uehementer, ac eos fantasma estimans cepit flebiliter 
exclamare. Tabescebat uero eius Spiritus ab insolita uisione, priuatus 
suffragio sociorum et formidando in ipsa latebrosa solitudine interire, 
35 non 8 ualebat fugere uiri|bus destitutus. Cumque illum exterritum 

1 so Dv, PR dagegen nur Fili — * R Maguntio — 8 R Leontio — 
4 ob Miridona in DPR ein Eigenname? f schreibt: en un isla plaaent, sodafs 
man konjizieren möchte: mire bona insula statt Miridona insula. v: in quadam 
maris insula. k (nach Bruce- Whyte, 1. c.) : en Miridona ylla de mar. — • PR 
Agarenicham — 8 so PR, D fälschlich Creatori uel Conditori (Randglosse!) — 
T PR fälschlich dirneret bezw. dirrueret — 8 PR et non 


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43 


agnosceret Caprasius uenerandus, confortabat eum blandicijs et 
sermonibus raansuetis dicens: „Non expauescas, fili, procedere ad 
salutem! Triennio enim expectauimus tnura desideratnm aduentum. 

Tuis enim meritis fugari debet ab occasu heresis pululata.“ Quanto 
igitur eum uenerandus senex sermonibus blandiebatur ad illum pro- 
cedens lento gradu, tanto maiori percutiebatur terrore. Cumque 
flentem et anxie ululantem multis sacris et placabilibus sermonibus 
paulu|lum complacasset, ei se hominem uerum exhibens longeuo pag. 3 
senio conquassatum, ceruus, quem fuerat prosecutus, proueniens 
mansuete procubuit ante ipsum. Cuius modestia recreatus posuit 
ceruo manum timide super caput, a seniore postulans, quotis tem- 
poribus nutriuerat dictum ceruum. Venerabilis uero Caprasius respon- 
dit iuueni complacato hunc ceruum et cuncta animalia creata et 
nutrita fore a suo | Domino, qui mundum et cuncta creauerat uni- 5 
uersa, et ob honorem Domini sui sibi omnia animalia obediebant 
et cunctis suis fidelibus obedirent. Prospiciens igitur iuuenis ipsos 
heremitas statura prolixos, etate longeuos, proceres 1 , eloquentes, 
mansuetos et rationabiles uiros post multa eloquia dixit eis: „Quis 
est iste uester Dominus, cui seruitis in tarn horrendis latebris lati- 
tando, qui tarn incultis uestibus uix contegit carnes uestras, uos 
fame macerans, ut exhibent uestri uultus humati, fu|nesti l , macillencia 10 
cum pallore et curuata uestra corporalis fragilitas pre languore? Si 
merito uos atterit graue, quid commisistis? Et si frustra uos diri- 
mit, nimiura est crudelis. Sed si sub spe mercedis seruitis huic 
Domino et uos ita decrepitos extrema dies rapiat, spem umbra 
exterminat, que uos tenet implicitos ocio et languore.“ Cui beatus 
Caprasius: „Ille meus Dominus, cuius est hec foresta, feras ibidem 
nutriens, quas tu sepe uenaris, te secum habere desiderans permisit | 15 
te ad capiendum sua animalia tociens prouenire, usque quo tibi 
rationabili irrationabilia penitus exhibeant magnificenciam Creatoris.“ 

Cui iuuenis: „Cognoscit igitur hunc tuum Dominum meus pater? 

Et amicatur eidem? Et quod est nomen eius? Et ubi habitat? 

Die mihi concite, ut properans patri meo intimem, que proponis!“ 

Cui beatus Caprasius ait: „Ille meus Dominus, de quo loquor tibi, 
est creator celi et terre, qui cuncta sub sua continet potestate.“ 

Et incipiens ab inicio seculi eidem todus uniuersalis machine 
euangeli|zauit condimentum et creationem hominis et ruinam et 20 
mansuetudinem Ihesu Christi et penas perpetuas peccatorum et 
iustorum gloriam sempitemam. Diuino namque munimine uerbis 
huiusce modi illustratus iuuenis animosus cuncta, in quibus ceca 
fragilitas naturalis dubitare consueuerat, distincte opponens sancto 
Caprasio agnouit ex omnibus lucide ueritatem. Andronichus itaque 
factus ex pauido animosus, commutans gaudium ex merore sollicite 
ptrcunctabatur ad patrem suum | quantocite properare, quod inuenerat 25 
et agnouerat, relaturus, ut una cum illo sacri fonte baptismatis 

* so PR, D schreibt proceros, was schon durch statura prolixos gesagt 
ist — * PR fälschlich funestri 


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44 


tingerentur et efficerentur famuli Ihesu Christi. Beatus üero Caprasius 
prospiciens iuuenem celerem ad regressum precepit ceruo, ut eum 
ad suos equum et socios dirigeret, qui illum per siluam flebiliter 
requirebant. Cui dixit iuuenis: „Quomodo hic ceruus, cum sit 
brutum animal, me dirigere poterit ad meos socios et locum, ubi 
30 sunt, quos ignorat, qui, ut asseris, per diuersas nemoris semitas | 
me requirunt?“ Cui beatus Caprasius: „Non hesites, fili mi, quia 
non ceruus, sed diuina uirtus, qua impero ipsi ceruo, te diriget et 
reducot, et tibi, cum baptizatus fueris, eadem uirtute obediet sicut 
et 1 michi, et multa maiora, quam ista sunt, per te operabitur uirtus 
Christi.“ Cupiens igitur iuuenis uidere, qualiter dirigeret eum ceruus, 
uale prebens humiliter a singulari quolibet heremita suppliciter meruit 2 * 
benedici. Post ceruum sequens concite congeriem pertransiuit Cum- 
35 que ad locum, ubi equum dimiserat, | deuenisset et equum cerneret 
lasciuire uinculis absolutum et diffideret de eius captione, ceruus 
caute prosiliens habenis equi sua cornua laqueauit et sic equum 
compulit sistere furientem. Andronichus ex prouisu letissimus equum 
capiens ascendit et ceruum per plana conuallia sequebatur admirans, 
summo gaudio percussus. Cumque uenisset in extremitatibus dicte 
silue, audiuit uoces et planctus clamancium cum tumultu. Properans 
pag. 4 igitur Andronichus celeriter ad clamores, cum | paululum pertransisset, 
agnouit suos socios lamentantes, quibus occurrit hilariter ceruo prece- 
dente. Leti itaque socij ex euentu ab Andronicho requirebant, ubi 
ceruum domesticum inuenisset 5 . Et cum ceruum proponerent at- 
tractare, uersus siluam insiliens ab ipsorum intuitu est sublatus. 

III. Predictus uero Andronichus 4 ad patrem suum properans 
5 sollicite conabatur tamquam preciosum | thesaurum talentum sibi 
creditum reuelare. Et in secreciori triclinio conuocans genitorem 
letissimus, que agnouerat, referebat. Audiens igitur leti filij monita 
tristis pater, rememorans, quam ante dicti Andronichi ortum uiderat 
uisionem, infremuit uehementer et, tamquam dire amaritudinis iaculo 
uulneratus, frendenter insaniens scidit e pectore firmas uestes et 
comptos crines deformat ac crudeles fiidit querelas furiosis motibus 
10 se ducendo. Exterritus iuue|nis patrem prospiciens insanire contre- 
muit uehementer et ad patris genua prouolutus offenso supplicat, 
precatur ueniam de commissis, peccanti inscio indulgere implorat 
patemam pietatem, penam reatus poposcit patris dolorem mitibus 
precibus liniendo. Cumque pater filium afficeret questibus atque 
probris, rumor insonuit palatinos, undique sonat murmur. Defertur 
ad Helembroch 5 noue acerbitatis exterminium opinatum. Que sur- 
gens celere properauit ad regem et hostium triclinij diserte per- 
15 cutiens 6 | dilaqueat serraturam et inter lugentes a cunctis causam 
meroris exposcit Palliat pater euentum, incultam inserit fictionem 

1 Dv et, fehlt PR — * PR obtinuit — 8 D inuenissent, das letzte 

n ungültig gemacht — 4 R Andronicus — 8 P Helenborch, R Helen- 

boch, v Elemborch oder Elenborch — • D versehentlich pcutiens — 


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45 


et causam matri nititur occultare. Helembroch 1 * igitur importuna 
experta dolis muliebribus instat et scire satagit opinatum. Deuin- 
citur itaque Andriochus blandis fictionibus mulieris et reserat sibi 
sui et suorum exterminium et rninarn. Audiens autem Helem- 
broch 1 precipicium sue legis et gentis fatalibus prefiguratum, pro- 
silijt furiens crudeliter sauciata et pallet misera et uenustus co|lor 20 
recedit a uultu et leuatas ad sidera spansas 3 manus dilacerat 
comptos crines et prosternit capitis ornamentum ac uestes diffim- 
briat preciosas atque infestis unguibus decorum uultum deformat 
dissecans manus et pectus nec sufferre ualet ulterius sortem supre- 
mam: nimijs euicta doloribus in suos uultus letaliter corruens ante 
regem, uertice pulsans humum, constricta exauctis doloribus mixtam 
cum sanguine uomit uitam. Andronichus uero suam mori prospi- 
ciens | genitricem, uersantem oculos, per os et nares proflue san- 25 
guinem euomentem, dira amaritudine precordialissime uulneratus, 
exinanitus uiribus, semiuiuus corruit super terram. Cumque An- 
driochus cemeret matrem et filium interire, furibundis uocibus 
eiulans 4 non se poterat continere. Audientes autem uoces lugu- 
br$s palatini currunt ad triclinium et erigentes prostrata corpora, 
Helembroch 5 mortuam et Andronichum semiuiuum cognoscentes 
exclamant et ululant ac distractis crinibus | dilacerant sertas uestes. 30 
Cumque foret prenuncio murmure ciuibus intimatum, extollitur 
plangentium ualidus clamor, impletur flebilibus clamoribus ether. 

Tota namque Nichomedia® resonat mesto planctu. Decuriones 
namque et prepositi tristes nimio dolore regine sollempnes exequias 
procurantes curant omni Studio reficere semiuiuum. Cum uero 
Andronichus conualuisset et sciret interitum sue matris, planxit 
eam multis diurnis fletibus, ululatibus et singultu nec ualebat ullius | 35 
solacio consolari, sed super extinctum corpus prostratus crudeles 
questus fundebat cruentam faciem osculando. 

IV. Postquam namque corpus Helembroch 7 fuit traditum se- 
pulture et planctus et lacrime cessauerunt, aduocans rex Andro- 
nichum cum gemitibus et suspirijs eum nititur resilire a catholica 
firmitate dicens ei: „Vide, fili mi, quid fecisti! Ecce iam ex sola 
conceptione huius fallacis seductionis tuam matrem, totius seculi 
ornamentum et uite mee solacium et regnorum meorum consilium, 
peremisti! | Et si ulterius progrediaris, me, tuum patrem miserum, pag. 5 
languide consummabis, qui te tarn care nutriui, tarn solerti Studio 
docui et seruaui, tantis honoribus et diuicijs sublimaui, qui etiam 
tibi tarn preciosa et magnifica acquisiui. Cur insanis, fili mi? Quo 
furore aut maligno spiritu agitaris, ut tarn indoctus iuuenis ad legem, 
quam ego et tu ignoramus, propona» accedere | et hominem male- 5 
ficum et suis maleficijs crucifixum asseras Creatorem? Considera, 
fili mi, magnificenciam, eternitatem, immensitatem, impassibilitatem, 

1 PR Helenborch — a PR Helenborch — 1 PR plantas — 4 P ulu- 

lans, R eululans — * PR Helenborch — • PR Nicomedia — 7 P 

Helenborch, R Helenboch 


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46 


perfeccionem et stabilitatem Creatoris et uilitatem, mensitatem, 
passibilitatem et exterminationem cuiuslibet creature et discon- 
uenienciam Creatoris ad creaturam! Si igitur Deus a creatura 
nisi mentaliter queat uideri, palpari seu contineri et in Deo non 
cadat alteratio, diminutio, addicio uel augmentum, quomodo illa 
io pura, prima, sola, ple|na et perfecta essencia, que cuncta creauit 
de nichilo, ea, que de sui natura non sunt nec fuerunt nec esse 
possunt, secum ualuit adunire, que a Deo noscuntur in omnibus 
conditionibus et proprietatibus discrepare? Licet igitur Deus sit 
omnipotens in uniuerso, nequit tarnen suam essenciam immutare, 
minuere uel augmentare, sed qualis fuit ante inicium, semper et 
continuo talis erit. Potes ergo perpendere euidenter, quod Deus 
in lhesu crucifixo non fuit, quia sic existeret Deus in eo contentus 
15 atque | mensus, nec dictus Ihesus in Deo, quia persisteret glori- 
ficatus, impassibilis et immensus, quia, si secum propter suam boni- 
tatem Deus uniret hominem incomprehensibili opere adunando l , 
inseparabiliter et incommutabiliter propter sui perfeccionem uniretur 
et transubstanciaretur totaliter in diuinum persistens impermutabile 
et impassibile coniunctum 2 . Et sic aperte potes cognoscere, quod 
in Deo non fuit Ihesus nec Deus in eo, quia tune* non posset 
mori propter inseparabilem et immutabilem unionem et transub- 
20 stanciatam naturam in diuinum mor|tis uinculo absolutum morte 
turpissima uel alia, qua una cum suis discipulis noscitur merito 
deperisse. Attende preterea, fili, insaniam christianam et inopina- 
bilis credulitatis et cecitatis errorem et contrariam omni naturali 
opinioni, sensui et etiam rationi doctrinam\ Asserunt christiani 
stulti et dementes contra magnificenciam , maiestatem et essenciam 
Creatoris assumptum Ihesum uerum hominem in diuinum suis dis- 
cipulis edixisse, quod esset iudicandus 4 ad mortem, ut sui erroris 
25 sequaces deluderet moriendo, antequam, ut con|tigit, pateretur se 
resurrecturum, et in forma panis et uini eis appareret post mortem 
et perpetuo cum ipsis usque ad finem seculi permaneret. Si hec 
uera sunt et habilia ad credendum, discrecio sensuum et ratio 
manifestant. Nam actualiter panem conficiunt ex aqua propor- 
tionaliter et farina et confectum decoquunt, decoctum offerunt 
secundum ceremonias christianas, oblatum frangunt et diuidunt, in 
eo nec uitam nec motum nec transmutationem propter hoc cognos- 
30 centes, sed solum panem, quem confecerant; pertrac|tantes secun- 
dum ritum eorum in fractura, tactu, odoratu, uisu et gustu panem 
illum in nichilo immutatum transgluciunt et in corporalia transub- 
stanciant sicut cibum. Si igitur omne rationabile, quodeumque 
perficit, rationabiliter nititur perpetrare, preter quod aliud non con- 
uenit operari, quomodo et quare Deus, in quo est uera sapiencia 
infallibilis , per quam cuncta perfecte creantur, uera ratio perfecti- 
bilis, per quam omnia ordinantur, uera essencia indefectibilis, per 

1 PR admirando — * P cognitum, R counitum — 8 tune fehlt PR 
und scheint auch in D leicht durchstrichen zu sein — 4 PR cum esset 
iudicatus 


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47 


quam omnia persistunt perfecte condita, preter rationem et contra 
naturam | prouide factam tarn irrationabile et ad credendum de- 35 
testabile et omnino erroneum indixisset, potissime cum nil adeo 
appareat euidenter obsistere rationi, uisui et nature, sicut ut existat 
panis mortuus Deus uiuus! Preterea prospice, fili, superos regni 
mei prouidos sapientes, quam legem excolunt et fauent! Prospice 
Marsilium 1 principem et Aygolandum, reges peritissimos, auunculos 
tuos, qui te tot preciosis muneribus honorarunt, quam legem ser- 
uant et sub quanta fictione et fallacia fidem reputant | christianam! pag. 6 
Certe, carissime fili, cum omnes optemus salutem, sequeremur fidem 
catholicam, si eam cognosceremus utique meliorem. Quare rogo, 
ut imbecillitas non te seducat nec ruditas iuuenilis nec seductio 
alicuius nec tuo sensu ducaris, sed ab hac fallaci ymaginatione 
penitus resipiscas et non credas mortalibus aliam gloriam quam 
presentem, cum, sicut prospicis, omnes morimur et | neminem 5 
sapientem uel fatuum, probum uel improbum, pulchrum uel turpem, 
senem uel iuuenem, pauperem uel diuitem, iustum uel quantum- 
cumque nepharium peccatorem cognouimus resurgentem ab inicio 
seculi usque presens. Nec te paciaris seduci fallacijs scripturarum 
christianorum , que ad placita sunt scripte ! Et auctores earum 

fuerunt ydiote, simplices rustici rusticana exercere opera consueti, 
qui, ut ymaginarunt fallaciter, conscripserunt et tradita suis con- 
similibus, fantasticis ydiotis, pueris fallacibus, | feminabus* homini- 10 
bus, pauperibus et insensatis, carentibus iudicio rationis, ut ab eis, 
que habebant, subriperent et locupletarentur facultatibus eorundem 
et inde eorum uita omnino inutilis sustentaretur; per secula semi- 
narunt promittentes reddere centuplum ex merito umbre mortis. 
Preterea prospice, fili, uitam et actus christianorum, sub quanta 
miseria consumuntur, et fraudati, miseri, inani spe et fallaci fiducia 
futurorum cunctis diebus suis funcstam uitam ferentes uite gaudia 
abdicant, continuo | lugubres et egentes amittunt gloriam huius lucis 15 
et suscipiunt tenebras sempiternas! Tu uero, fili carissime, potire 
gaudia huius uite, ut uiuendo gaudeas in longinquitate dierum et 
fruaris honoribus et delicijs preparatis et existas inter huius mundi 
principes gloriosus! Ecce iam, ut nosti, formosior puella imperij 
Romanorum, Rosamunda, filia Arnulphi, regis Longobardorum , te 
in uirum per frequentes nuncios et Titela 3 , eiusdem regis filius, 
sororem tuam Constanciam in uxorem caris precibus | interpellunt! ao 
Nam et Leo, imperator Constantinopolitanus, unicus frater meus, 
cum careat liberis, te solempniter coram suis principibus in filium 
adoptauit. Ecce iam oculi totius tue longeue progeniei in te 
respiciunt et nullam aliam preter te sperant habere salutem! Si 
uero tui precantis patris non flecteris precibus nec opibus prepa- 
ratis, in me saltim nunc seuias, et tue matris funera comitabo.“ 
Andronichus igitur ferens patris monita reuerenter, ne in opposi- 

1 P Masilium — 2 feminabus in DPR; die Bedeutung ist offenbar 

„weibisch“; vielleicht zu ersetzen durch feminalibus — * P Tutela 


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4 8 


25 tionibus, que patemis proposicio|nibus lucide obsistebant, Andri- 
ochum concitaret, persistebat tacitus, lacrimis et singultibus plangens 
matrem. Quanto plus matris interitum plangendo 1 meditabatur, 
tanto plus diuino iudicio pauefactus, hanc uitam despiciens alteram 
beatam atque perpetuam preponebat, ad quam sinceriter anhelabat. 
Sed uerus Dei emulus nec matris excidio concutitur nec patris 
promissis aut precibus commutatur. Cognoscens uero Andriochus 
30 filij propositum immutatum uehementissime tristabatur et curiosa | 
sollicitudine parabat blanda oblectabilia, quibus posset Andronicho 
obuiare, et coustituit eum cum lubrico et lasciuo collegio puerorum, 
ut illum pompis 2 , ludis, iubricitatibus et uoluptatibus laquearent. 
Preterea Constancia 3 , soror Andronichi, monitis patris inducta eum 
cuoctis blandicijs, iocis, Iubricitatibus et puellarum saltibus, osculis 
et amplexibus et cunctis uanis actibus totis uiribus oblectabat. Sed 
cautus Dei famulus et lubricitates uitare et patri cupiens complacere, 
35 ut liberius posset | uota sua reddere Ihesu Christo et secedere ad 
optata, actibus egregijs muniens culmina mentis, iocosus cum 
iocantibus, ridens, cantans et hylaris ad ludos cunctos incitans 
mirifice letabatur et oblitam monstrabat penitus, quam gerebat in 
uisceribus catholicam firmitatem. Cautus namque cathecuminus, 
quautumcumque coram hominibus se letum demonstraret, sollicite 
perquirebat captare tempora oportuna, ut ad Caprasium accederet 
pag. 7 baptizandus et repulsis parentum scemate et inani gloria mundi | 
ac tocius seculi dignitatibus totus in Dei seruicio censeretur. 
Agnouit igitur filij propositum cautus pater et direxit satellites 4 , 
ut interficerent heremitas. Sed apparens Caprasio, dum offerret 
sacrificium, Dominus Ihesus Christus rem sibi indicans precepit, ut 
ad ciuitatem Heroclee 5 accederent, ubi nauem paratam inuenirent, 
que illum et suos socios et Andronichum cum Germano, fratre 
5 suo, in Ytaliam transportaret Consurgens | illico Caprasius cum 
suis socijs complebat sollicite iussionem. Andriochus autem cupiens 
filium impedire, ne baptismi lauacro tingeretur, clam uocauit Ger- 
manum, fratrem Andronichi, uirum utique lubricum et iocundum, 
oblectatum aptissime actibus mundanorum et ad transibilia circum- 
spectum, et patefecit sibi sui animi amaritudinem et insaniam fratris 
sui et tocius regni, legis et generis obprobrium sempiternum, in- 
ducens eum precibus et promissis, ut uiriliter conaretur Andro- 
10 nichum® reuocare | a fallaci conceptione catholice fictionis. Ger- 
manus uero audiens, que sibi pater patefecerat, obstupuit et instand 
vigilia meditabatur, qualiter posset a tanto obprobrio resumere se 
et fratrem. 

V. Andronichus interim suum corpusculum macerans die ac 
nocte Dominum sollicite precabatur, ut, quod proposuerat, adim- 
pleret et sibi succurreret inconsulto. Et ecce 7 repente astitit iuxta 

1 plangendo fehlt in PRv, auch f hat nichts Entsprechendes — * PR 

potis — • R Constantia — 4 PR satellites furiosos — 5 P Herodee — 

• P Andronicum — 7 ecce in Dv, fehlt PR 


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I 


49 

eum Dominus Ihesus Christüs, sollicitus consolator, in splendore 
corusce lncis cum multitudine angelorum et ait | suo sincero tyroni : 15 
„Ecce iam te cum tuo germano 1 redpio in collegium electorum 
meorum, quos non minus comitaberis consortio quam uirtute.“ 

Stupens igitur iuuenis uisione diuina ante Deum in suam faciem 
corruit pre terrore et constematus faciem non ualebat 2 erigere, ut 
aspiceret Dominum Ihesum Christum, sed adorans eum dicebat 
submissa uoce cum lacrimis et tremore: „Gratias tibi ago, Domine, 
qui non meis meritis, sed sola benignitate tua me immeritum in 
tuörum collegio assumpsisti. Non me | obliuiscaris nec permittas 20 
concuti seductionibus patris mei improuide furientis, sed tue uirtu- 
tis indeficiens dextera me semper protegat et defendat et ad 
sanctum Caprasium me perducat, ut uitam meam instruat spiri- 
tualibus disciplinis ac me perficiat celestibus regnis dignum!“ 
Dominus autem Ihesus Christus benedicens Andronichum ab eius 
aspectibus est sublatus. Refectus itaque uberime Andronichus 
refeccione diuina, transit illico uigor eius in uirtute Spiritus et 
efficitur 3 totus alacer 4 . Ger|manus uero dissimulans caute, que 25 
patefecerat sibi pater, horam captans ad Colloquium aptiorem, 
seorsum ducens Andronichum dixit ei: „Vidi patrem nostrum ali- 
quotiens contra te prouocatum et occasione diligenter quesita nun- 
quam scire potui, cur hoc esset, et, si tua cara fraternitas non 
contristaretur et tibi placeret, optarem plurimum scire causam.“ 
Andronichus itaque paulisper tacitus meditando, que Dominus sibi 
promiserat de Germano, mentem et oculos ad celum | erigens sus- 30 
pirabat, concitando Dominum celere ad promissa. Cumque Ger- 
manus responsionem Andronichi expectans intente aspiceret uultum 
eius, utrosque claritas circumfulsit et uox Dei dissonuit super eos: 
„Venite, benedicti patris mei, acquirite regnum meum uobis a 
mundi origine preparatum!“ Stupefacti itaque iuuenes ex prouisu 
sese attonitos ambientes corruerunt super humum et discessit clari- 
tas ab eisdem. Et post paululum resumptis uiribus cum resurre- 
xissent a terra | et prospicientes circiter nullum cemerent preter 35 
eos, dixit Germanus Andronicho cum terrore: „Indica michi, frater 
carissime, quid hoc fuit, et iube, que 5 uolueris me facturum, quia, 
quos una caro genuit, non separabit affectus!“ Andronichus ita- 
que distincte Germano merorem indicans patris sui ei suum since- 
rum propositum intimauit et que sibi promiserat Dominus Ihesus 
Christus et misterium uocis, que sonuerat, et etiam claritatis. Ger- 
manus itaque affectuose suscipiens, que diserte | sibi exposuerat pag. 8 
suus 6 frater, diuino numine illustratus asserit credere, que pro- 
ponit, et uelle accedere ad baptismum 7 et gloriam 8 mundi relin- 

1 germano ist hier wohl kaum als Eigenname aufzufassen; f: Ay appa- 
reyllat gauch a tu et a ton frayre — 8 PR audebat, v ausus, f ausava — 

* D versehentlich efficiter — 4 vielleicht ist statt alacer besser mit PR alter 
zu schreiben. Die Stelle ist offenbar von dem Sermo Hilarii beeinflufst; dieser 
schreibt fit plena gravitatis (vgl. oben S. 28) — 5 PR iube in omnibus que und 
ähnlich auch vf — • D versehentlich suu — 7 ad baptismum fehlt D, ist 

aber doch wohl aus PR zu ergänzen — 8 D versehentlich gloria 

4 


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50 

quere et seruire Domino lhesu Christo. Concipiunt itaque hij duo 
cathecumini sincero animo paritura et erant eorum assidua secreta 
colloquia, per quem modum celerius accederent ad baptismum, ut 
5 renati fonte baptismatis una foret inter eos fides mencium et pietas | 
actionum, meditantes sedule actiones, per quas placerent Domino 
lhesu Christo, necessaria offerentes indigentibus, uisitantes infirmos, 
carceratos et captiuos libere absoluentes. 

VI. Cumque tanta luminaria nequirent inter nebulam occultari, 
claruit uniuersis hos duos regales geminos uelle procedere ad baptis- 
mum, quos dire amaritudinis acerbitate percussi uelut mortuos 
prelugebant. Cognoscens itaque Andriochus propositum filiorum 
I0 uehementissime | tristabatur, tamquam orbatus filijs lamentando. Et 
percunctans caute, per quem modum eos ab eorum proposito 
deuiaret, elegit nobilium comitiuam ornatam cunctis uanitatibus, et 
Andronichum cum Germano accelerat destinare imperatori Con- 
stantinopolitano, qui Andronichum 1 tamquam adoptatum nutrire 
plurimum affectabat et imperialibus moribus informare — in palacio 
enim dicti imperatoris omne oblectamentum seculi colebatur — , ut 
15 saltim propter locorum distanciam et temporum interualla et de|lecta- 
bilem mundi gloriam et honores multiplices et imperialem beni- 
uolenciam oblectati 2 , asperas abstinencias et difficiles oppiniones 
rationi et uisuj 3 contrarias christianorum per delectationum assue- 
tudines 4 dissuasi et curam prohibencium et incommoditatem bapti- 
zancium ab affectione, quam conceperant, resilirent. Paratis igitur 
cunctis necessitatibus et susceptis patris monitis et doctrinis gau- 
20 dentes arri|piunt hij duo gemini iter suum preduce Horion cum 
Cumanis. Cumque per diurna tempora ad Constantinopolim pro- 
perantes ad ciuitatem Heroclee 5 deuenissent et ibi Horion propter 
loci amenitatem diebus aliquot dictos cathecuminos proponeret 
recreari, hij gemini causa uitandi fastidium cum aliquibus dicte 
ciuitatis adolescentibus eorum etati conuenientibus maris litora 
perlustrantes Caprasium cum suis socijs in maris litore prospe- 
xerunt. Andronichus uero eos cognoscens est similiter agnitus ab 
eisdem, et caute eos exhibens fratri suo meditabatur sapienter, per 
aj . quem modum cum Caprasio loqueretur. Quod 6 | cognoscentes 
diuino intuitu heremite se ad uicinum nemusculum transtulerunt. 
Predicti itaque iuuenes dissimulantes se, ac si uellent alleuiare 
naturam, semotim discedentes a socijs inter fructecta nemoris adeunt 
heremitas. Sanctus uero Caprasius geminos benedicens sub breui 
eloquio ordinauit cum eis, ut surgentes diluculo properarent ad 
nauem eis diuino munimine 7 ordinatam. Nocte igitur succedente 
dictorum cathecuminum 8 a crapula et ebrietate rite socijs circum- 

1 P Andronicum — 2 DR versehentlich ablectati — 8 D schreibt 

usui, doch halle ich PR uisuj für richtiger, wenn ich damit vergleiche 5 l2a 
sensui und 30, 18 uisui — 4 D versehentlich assutudines — 5 PR Aroclee — 
8 so PR, D Quos pafst nicht infolge des vorhergehenden est agnitus ab 
eisdem — 7 PR munere — 8 so PR, D dicti cathecumini, aber vor dicti 
ein durchstrichenes dictorum 


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5t 


ceptis solijto clarius uniuersitate siderum prefulgente consurgunt 30 
timide uterini, et lente reuectis hospicij serraturis relinquentes libere 
regnum et imperium eis preparatum et tocius mundi faustum et 
gloriam uanam ac delectabilem patriam pariter et parentes se 
tradunt pauperes obsequio Ihesu Christi, nil secum penitus preter 
preciosas uestes arabicas actibus barbarorum confectas, quas ferre 
consueuerant in sollempnitatibus, et alias paucas, ex quibus possent 
heremitas contegere, deportantes. Ad | mare igitur properantes 35 
mitissimi innocentes in Christi nomine presignati ascendunt nauem 
et diuina gratia suffragante post tempus modicum equissima aura 
flante in Achaiam 1 deuenerunt, ubi per multos dies, serpente diabolo 
contrario bonitate turbante mare congeriosum et angusta promunc- 
toria Achaie 2 regionis, impellente poplice uentorum turbines cum 
tumultu ac fluctus pariter et procellas, persistunt attoniti nauigantes, 
et pre terrore fulgurum, repentinis et ingentibus tonitruis | et pag. 9 
choruscationibus et uehementi impetu pluuiarum atque maris mur- 
mure gemebundi, commotis insuper aereorum uirtutibus 3 tenebrosis 
de salute penitus desperati submisso uelo exponunt se periculis et 
fortune. Sed uiri Dei secedentes ad puppim humilimis precibus 
excitant Saluatorem, ut mari imperet atque uentis. Qui celere con- 
cedens eisdem tranquillitatem congruam postu|latam, post dies ali- 5 
quot uento placido succedente applicuerunt ad litora Reuennata 4 . 
luuenes uero interim fundati solide pacienter portabant maris, uen- 
torum et tempestatum angustias et suorum corporum cruciatus. 

Sed inuidie filius et promptissimus propugnator&, qui moleste pati- 
tur concrescere seruos Dei, iuuenes saucians uenenose fallaciter eis 
exhibuit sompniando pre dolore, ut contigit patrem eorum Andri- 
ochum interire et Thurchos 6 propter carenciam principis extermi| 10 
nare suam patriam et captiuare sororem, ut resilirent a proposito 
et succurrerent captiue sue patrie et sorori. Cumque uiri Dei suam 
sarcinolam eduxissent e naui, euigilans beatus Caprasius iuuenes 
perduxit ad terram. Iuuenes itaque cum ignotis in terra positi 
aliena, illuc et istuc prospicientes paululum indiserte, compuncti 
diabolico nocumento, quod in sompnis uiderant, meditantes, con- 
fracti penitudine nimio se adinuicem ambiebant amplexibus lacri- 
mando, et | quisque plangens lugubre asserebat suum congenitum 15 
decepisse. Cumque iuuenes compuncti nequiter persisterent nouis 
lubricitatibus et captiosis seductionibus, sub anfractu, per quas 
partes recederent et redirent ad Nichomediam 7 , ordinantes, prospi- 
ciunt despecte tetricis uultibus insitos heremitas; et abhominantes 
facies eorum, uitam, habitus et personas et se seductos reputantes 
uilibus collecturis contempiiose et insospite a Dei famulis discesserunt 
progredientes per litora ad Rauennam 8 , ut uenundatis uestibus, | 20 
quas ferebant, earum precio ductorem conducerent usque ad patriam 

1 PR Acayam — 8 P Acaye, R Acayce — • so PR, D insultibus 
pa&t weniger gut — 4 so PR, D versehentlich Kauennata — • PR pro- 
pagator — • PR Turchos — 7 PR Nicomediam — 8 P Reuenam, 

R Reuennam 

4 * 


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5 * 



Cumanorum. Sanctus uero Caprasius prospiciens iuuenes lacrimari 
plangentes et a proposito penitentes discedentes incompte, agnouit 
eos percussos iaculo inimici et relicta refectione, quam preparabat 
eisdem, una cum suis socijs corruit super terram et exclamauerunt 
flebilibus precibus ad Dominum toto corde, ut dignaretur ipsos 
iuuenes consolari et a temptatione diaboli liberare. Cumque uiri 
Dei Dominum gemebundis precibus inuocarent, super | eos e celo 
effunditur nubes clara et uox distincta dissonuit lhesu Christi: 


„Nec uos nec ipsos propter me orphanos deseram in eternum.“ 
Cumque recederent iuuenes tuberöse, despectabiliter Andronichus 
post tergum respiciens heremitas uidit nubem candidam cadere 
super eos. Quod Germano insinuans, perstiterunt attoniti in aspectu, 
et prospicientes sanctos Dei circumdatos Claris flammis et Dei filium 
inter ipsos eis, que facerent, indicentem, cum ipsa nube ad sidera 
conscendentem conscripti celite sese ex inconstan|ti animo rnorda- 
citer deuultabant. Illustrati celere iuuenes uisione diuina et contriti 


nimio ex processu erubescentes prefigebant uultus suos in terram 
et astantes seorsum ad sanctos accedere uerebantur. Beatus uero 


Caprasius blande conuocans innocentes predixit eis temptationes et 
fraudes diaboli assuetas ac merita resistentis et instruens eos catho- 


licis documentis in ecclesia sancti Petri, que est in eodem litore 
fabricata, perduxit cathecuminos ad baptismum. Quorum Andro- 
35 nichum, uirum mitisjsimum, eloquentem nimio et uenustum, Hono- 
ratum, Germanum, qui passiones maris, frigoris et tempestatum 
afflictus nimio portauerat pacienter, qui erat uerus, actiuus et 
reuerenter obsequiosus, Uenancium 1 nominauit. Postea refecit eos 
cibarijs oportunis. Renati itaque fonte baptismatis noui Dei milites 
submittebant se ardentissime iugo Christi, doctrinas et modos 
sedule suscipientes , qualiter diuinum obsequium adimplerent. 
Sanctus uero Caprasius portans prouide naturam iuuenum delica- 
pag. io tarn | eos dignis solacijs et refectionibus focillabat Properantes 

igitur per conuenientes dietas ad locum, quem eis Dominus pre- 
parauerat, deuenerunt ad opidum, quod nominatur Uercellum 2 , 
positum in uertice Lumbardie; ubi cum triduo resedissent cura 
reficiendi iuuenes, apparuit eis 3 beatus Petrus apostolus accelerans 
eorum aduentum dicens: „lam triduo amicus Dei Macrobius uos 
j expectans suum felicem | exitum retardauit. Ite et suscipite loco 
eius hereditarium diuinum obsequium successiue!“ Surgentes ilico 
uiri Dei apostolica iussione accedebant ad locum. Cumque ascen- 
derent montem, qui dicitur Barscha 4 , et illuc et istuc uallia et 
cacumina montium perlustrassent et nullum habitaculum inuenissent, 
implorauerunt Dominum, ut eis locum sancti Macrobij exhiberet. Et 
eminus prospicientes uiderunt in summitate montis celsi, qui Argen 5 
I0 dicitur, de celo lumen cadere ut stellam. Estimantes | igitur illuc 


1 R Venancium — 2 R Vercellum — 3 PRv orantibus hinter eis, 

fehlt f — 4 PRf Brascha — 8 v Argentarius. R bringt zuweilen am Rand 
Erläuterungen zu den Eigennamen. Die erste Erläuterung findet sich hier zu 
Argen. Ich glaube, diese Randbemerkungen bei Angabe der Varianten über- 
gehen zu können. 


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53 


sanctum Macrobium habitare celere accesserunt ad locum. Cumque 
uenisscnt ad ecclesiam sancti Michaelis fabricatam ibidem, ubi 
sanctus Macrobius morabatur, prostrarunt se ante eius introitum 
adorandum. Suscipiens igitur 1 in osculo caritatis desideratos hos- 
pites letus hospes indroduxit eos in hereditarium Ihesu Christi. Et 
enarrans modum et ordinern uite sue et ostendens eis lignum 
dominicum cum altero clauorum Christi et reliquias plurium uenera- 
bilium sanctorum, quas monitione diuina propter insaniam | per- 15 
sequencium christianos diu conseruauerat deuote et reuerenter 
obsequendo, et predicens eis plurima, que uentura et que facturi 
erant, et suscepto de manu sancti Caprasij corpore Ihesu Christi 
in Domino obdormiuit Quem uiri Dei reuerenter in eadem ecclesia 
tumularunt. Suscipientes profecto noui farauli Ihesu Christi diui- 
num obsequium peroptatum succedebant ardentissime de uirtutibus 
ad uirtutes. Quos sancti patres confortabant et corroborabant sollicite 
eis modos orandi et abstinende raoderantes, ne | illorum tenera 20 
corporum fragilitas lederetur. Corroborati igitur diuinitus et firmiter 
confortati, predicti iuuenes faustum nature et consuetum fomitem 
penitus respuentes ultra imperium sanctorum patrum ieiunijs et 
afflictionibus sua corpora macerabant, ut a came excuterent sordes 
carnis et spiritum roborarent. 

VII. Cumque exaucta seductio Johannis et Machometi existeret 
pluribus furiosis et pötentibus principibus conuallata et contra Pipinum, 
Bauarre 2 principem, qui Ludoüicum 3 , regem Gaunorum 4 , expug|na- 25 
uerat et errorem illorum nitebatur totis uiribus demolliri, acies 
direxissent, eum apud Carnotum debellantes, uix ab eorum faucibus 
est ereptus. Qui Karolum 5 , eiusdem Pipini filium, capientes ibidem 
eum apud Toletum adduxerunt cum raultitudine captiuorum. Ex 
hoc igitur exultante audaciter irapia progenie Ysmaelis 6 , captiuus 
Karolus 7 tristabatur et optans mori Deum assidue precabatur, ut 
finem imponeret uite sue. Sacerdotes namque et pontifices Macho- 
meti in ignominiam et blasphemiam | Christiane fidei in suis sollempni- 30 
tatibus Karolum 8 in eminenti expectaculo populis exhibebant tam- 
quam feram indomitam cathenatum et post uinculis absolutum 
dampnatura perpetuo reducebant angarizandum ad aquarium Tole- 
tanum 9 . Cum uero sic triennio tarn uiliter Karolum 10 afflixissent, 
apparuit beatus Jacobus apostolus Honorato, ipsuro increpando 
austere, quod necdum sua limina et captiuum Karolum uisitasset. 
Cumque Honoratus sancto Caprasio exponeret apostolicam uisionem, 
cognouit di|uinitus sanctus Caprasius uisionem ministerium importare, 35 
iniungens Honorato, ut, que placebant apostolo, adimpleret Arri- 
piens celere iter suum cum sancto Maguncio 11 Honoratus renitente 
Uenancio 12 et remanente inuito ad Compostellam ueniunt, ubi in 

1 D fugt hinter igitur, offenbar fälschlich, eos ein — * PR Bauarie — 

• PR Londouicum — 4 P hat ebenfalls Gaunorum, aber in einer Rand- 
glosse Germanorum — 4 R Carolura — • P Ismalis, R Ismaelis — 

T R Carolus — 8 R Carolum — 9 PR Tholethanum — 10 R Carolum 
— 11 R Maguntio — 19 R Uenantio 


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54 


honorabili basilica residet beatus Jacobus tumulatus. Ante cuius 
sepulchrum in suam fadem corruentes hij duo catholici Deum 
adorantes, cum diu in orationibus perstitissent, nubes clara circum- 
pag. xi dedit eos, et stans inter illos beatus Jacobus dixit | Honorato: „Non 

mei uisitatione tantum sollicitus te induxi, ut mea limina uisitares, 
sed ut Karolum, catholicorum athletam, liberares de manibus Aygo- 
landi.“ Quo dicto disparuit ab eisdem. Complentes igitur orationes 
suas Maguncius et Honoratus ceperunt inquirere sapienter, ubi 
Karolus captiuus teneretur. Cumque didiscerent, quod Tholeti, 
5 illuc dirigunt gressus suos. Erat enim | regi Aygolando unica filia 
speciosa ualde Sibilia nomine, regina Saxonie, quam diligebat pre 
cunctis raortalibus Aygolandus. Cum uero ipse Aygolandus festum 
sui culminis celebraret et sub ignominiosa expectatione Karolum 
solito exhiberent, arripitur a diabolo Sibilia, filia Aygolandi, que 
corruens ante regem uix erigitur semiuiua. Sibiliam 1 igitur diabolo 
agitante inuitat rex medicos, premia pollicetur. Que cum ullorum 
io medicorum medicamine non reciperet sanita|tem, aduocantur exorri- 
zatores et Phitonice 2 incantatrices. Qui cum per suas inuocationes 
fallaces et ritus nepharios mugientes in aere et aspirantes in ampne 
ac in terra nodosos caracteres 3 conscribentes secundum diabolica 
documenta nequirent Sibilie aliquale remedium impartiri, sed potius 
in eorum aspectibus crebrius torqueretur, edicitur ab Aygolando, 
quod prestanti Sibilie sanitatem, que peteret, conferretur. Honoratus 
15 igitur uenustus iuuenis et facundus, prerogatiua e|minentis eloquentie 
predotatus, qui a matre sua diserte didiscerat arabicum ydioma, 
audiens, que edicta fuerant publice per preconera, accessit ad pala- 
cium, ubi Sibilia seruabatur. Quam prospiciens cognouit diabolice 
tormentatam et accedens ad presentiam 4 Aygolandi dixit se scire 
Sibilie remedium impartiri. Aygolandus igitur prefixe prospiciens 
Honoratum militibus suis dixit: „Nisi hunc agnoscerem Arabern 
20 uestibus et loquela, sororis mee Helembroch 5 genitum extima|rem, 
quia non fuit sibi similis sicut isle.“ Et nomen eius exquirens 
promisit sibi conferre sine qualibet diminutione et difficultate, que- 
cumque peteret, si Sibilie remedium largiretur. Rediens igitur 
Honoratus ad triclinium 6 , ubi Sibilia seruabatur, sal et aquam postu- 
lans benedixit et aspergens aqua benedicta oliue ramusculo faciem 
mulieris discessit ilico malignus spiritus ab eadem. Que aperiens 
oculos carpsit frendenter genua Honorati proclamans flebiliter: „ Non 
25 digneris infelici\tatem meam conspernere , uir diserte, sed, quecumque 
possideo, accipe et me serua et libera me ab incomparabili passione! u 
Honoratus itaque causam infirmitatis Sibilie indicauit nec posse 
sanari, nisi respueret fictionem diaboli abdicatam et crederet Ihesum 
Christum. Annuit afflicta credere et obseruare firmiter, que sibi 
iniungeret Honoratus. Honoratus igitur cdocens Sibiliam et in- 
struens catholicis documentis cathecuminam benedixit et aquam 

1 P Sibilia — 2 Phitonicus = Pytbicus — * D versehentlich ca- 

recteres — 4 so PR, D versehentlich ad presencia — 8 PR Helen- 

borch — 8 so PR, D versehentlich trichinium 


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55 


exorcizans Sibiliam baptizauit, | et confestim a cunctis suis lan- 30 
guoribus est sanata. Nunciatur igitur Sibilie sanitas Aygolando, qui 
accessit celeriter ad eandera. Quam propiciens solito pulcriorem 
summa alacritate perfusus 1 * * dicebat Honorato, quod maiora, quam 
promiserat, sibi daret. Honoratus attamen irapetit Aygolandum, ut, 
quod promiserat, obseruaret. Assentit pater et instat filia et postu- 
landa confirmant. Tune Honoratus tacens aliquantulum ex pro- 
fundis uisceribus suspirat. Sibilia uero circa promissa hesi|tare ex- 35 
timans Honoralum, importune eum expetit fiducialiter dicere, que- 
cumque uoluerit postulare. Honoratus itaque erga captiuos exhibens 
sui animi pietatem instanter postulat, ut Jibertas Karolo, quo ire 
uoluerit, largiatur. Aygolandus igitur, que Honoratus petierat, par- 
uipendens Karolum cum duodecim soeijs, quos eligeret de captiuis, 
tradidit Honorato cum pluribus muneribus preciosis. Aduocans 
autem Karolum cum duodecim soeijs suis electis Ho|noratus in pag. 12 
presencia Aigolandi* et Sibilie erogauit eis sufficiencia necessaria 
ex muneribus, que sibi optulerat Aygolandus, et cetera respuens 
concessit eis libertatem progredi, quocumque uellent. Leti igitur 
catholici iuuenes ex libertate et muneribus, que ipsis contulerat 
Honoratus, extabat inter reliquos lecior Baudoynus 5 , quem Sibilia 
prospiciens lasciuire uisceraliter adamauit, quem adoptauit in uirum | 5 
tempore succedente. Honoratus itaque Aygolando et Sibilie et 
Karolo et suis soeijs uale prebens humiliter ad Argen concite cum 
sancto Maguncio 4 properauit. Venancius 5 interim multis medi- 
tationibus et anxietatibus circumplexus sine intermissione Deum 
gemitibus et crebris orationibus precabatur, ut sibi incolumem 
redderet Honoralum. Et cum nonaginta dies transissent in orbe, 
dubius ex euentu lacrimosis aspectibus Honorato cotidie procedebat 
obuiam usque ad precipicium raontis celsi accelerans | desideratum 10 
aspectibus, interrogationibus et singultibus et suspirijs et sic diebus 
singulis post longam expectationem lugubris ad socios remeabat; 
affligebatur itaque miro modo cibum et sociorum solacia respuendo. 

Sanctus igitur Caprasius consolabatur eum et, queque placita poterat, 
ministrabat, sed Uenancius cuncta repudians mortem sibi anxius 
inuitabat. Curaque rite dies centesimus ageretur, contigii, ui languore 
tussis infeste et reumatis murraurantis ingrauescente mitissimum 
Uenancium 6 nequiret solito obuiam oc|currere uenienti, sed in cella 15 
Honorati prostratus Honoratum, quem credebat mortuum, funesta 
uoce plangeret. Sancti Caprasius et Leuncius 7 sollicite assistebant 
et consolabantur languentem. Astantibus sic dictis sanctis in 
solacium dissoluti subintrarunt 8 ecclesiam sancti Michaelis sancti 
Maguncius et Honoratus, qui complentes orationes suas tintinnabulo 
se insinuant aduenisse. Quo cognito celere Uenancius 9 cum ceteris 
ad ecclesiam properauit et osculabatur fratrem pre gaudio perfusa 

1 so PR, D profusus hat nicht die Bedeutung „erfüllt“ — * PR 

Aygolaudi — 3 P Baudoinus — * PR Maguntio — 6 P Venantius — 

• P Uenantius — 1 PR Leoncius — 8 PR subintrant pafst vielleicht 

besser — • P Uenantius 


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56 


ao fade lacrimarum, et enarrans, que con|tigerant, Honoratus bene- 
dicebant inde Dominum Ihesum Christum. 

VIII. Cumque Aygolandus et Marsilius 1 una cum Arnulpho, 
rege Longobardorum 2 * , exterminare catholicos niterentur et Leo, 
imperator Constantinopolitanus, instanter et pluries requisitus re- 
cusaret ecclesie auxilium impartiri, Stephanus papa secundus de 
consilio Romanorum imperium transtulit ad Latinos, electionem im- 
peratoris concedens principibus Germanorum, qui soli ecclesiam 
35 defensabant Qui post aliqua curricula | temporum una cum Leone 
papa et catholicis principibus Karolum, ducem Bauarre*, quondam 
Pipini filium, ad imperium assumpserunt. Qui cum secrete Romam 
accederet imperium 4 assumpturus, per Alpes transiens, ad sanctos, 
qui in monte Argen morabantur, accedens inscius agnouit ilico 
Honoratum et procidens ad eius genua prouolutus de perceptis 
beneficijs gratias exsoluebat. Et indicans sanctis suum salubre pro- 
positum ab illis meruit benedici. Qui diuinitus predixerunt Karolo, 
30 queque sibi ardua et aduersa succederent, de quibus nil | defuit, 
quin succederet ueritati. Erat enim quidam nobilis uir cum Karolo 
nomine Uezianus, qui nequiens passiones et caumata itinerum sub- 
portare infirmatus grauiter apud Argen remansit sub custodia 
Honorati. Qui se adeo affectualiter connexerunt, quod uix Karolus 
postmodum dictum Uezianura de sanctorum consorcio potuit separare. 
Procedens igitur Karolus animatus contra perfidos ad occasum ob- 
sedit primitus Aralatum 5 , ubi fuit dictus Uezianus cum suis omnibus 
35 prodicionaliter interemptus per principem | Atrapensem. Percussa 
igitur ciuitate a Karolo percunctabatur sollicite, qualiter posset uin- 
dicare mortem nobilis Ueziani®, et commouens suos exercitus circum- 
dedit undique insulam Attrapensem 7 , ubi corruit Badoynus 8 , prin- 
ceps Saxonensis. Cum Karolus Atrapam debellaret, habitatores eius 
nequientes insolentium 9 terribiles impetus tolerare, post multorum 
excidium, post captionem plurimorum, preter illos, quos in terra 
marique seuiens gladius trucidabat et manus catholica insaciabiliter 
pag. 13 deuorabat, ciues | atoniti, in desperationis angustia constituti, se in 

incertis et ambiguis passibus exponentes, quo melius et celerius 
poterant, fugientes transfretarunt 10 ad insulam Aurianam, que distat 
uersus meridiem ab insula Attrapensi 11 archario trino iactu. Quos 
subsequentes ualide christiani penitus consumpserunt. Quod Karolus 
5 nunciare non distulit Honorato, se suis et suorum consociorum | 
orationibus recomendans, sciens se eorum precibus uniuersos per- 
fidos superare. Karolus igitur perfidos persequendo cum obsideret 
patriam Narbonensem, consurgens diluculo consuete ad diuinum 
obsequium Honoratus, cum ad ecclesiam properaret, semitam pro- 
spexit nigra et frigida fuligine circumplenara et, quidnam esset, 

1 R Marcilius — * R Lungunbardorum — 8 PR Bauarie — 

4 so PR, imperium fehlt D — 5 P Aralatam — • R Uiziani — T PR 

Atrapensem — 8 PR Baudoinus — 9 PR insilentium — 10 so P, 

D transfretarent, R transfetarunt — 11 R Atrapensi 


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57 


pertractans cognouit nigerrimam niuem esse. Conuocans igitur 
Honoratus sanctos patres prodigium exhibebat. Prostementes se 
sancti diucius ad orandum apparuit eis Dominus Ihesus Christus, 
confortans eos in suum obsequium perdurare, premia promittendo io 
dicens illis ideo niuem nigram pluisse, quia eorum precibus pro- 
sternebat perfidiam Machometi, precipiens illos ab Alpibus descen- 
dere et conuallem confortare et confouere reliquias christianas. 
Descendentes itaque ab Alpibus sancti uiri, lignum salutiferum et 
alterum clauorum Christi et reliquias uenerabiles deferentes ad 
Foroiulium properarunt. Preerat autem catholicis apud Foroiulium 
pontifex uenerandus nomine Iulianus 1 * , cui erat frater uir | magne 15 
benignitatis et rationis et in cunctis actibus circumspectus nomine 
Annolinus 5 . Qui longa infirmitate confectus curuato corpore pre 
fractura et rugatis neruis et disiunctis ossibus pre langore stabat 
aridus sicut monstrum. Cui Dominus in uisu demonstrauit, quod 
ad contactum cuiusdam sancti hospitis sanandus esset. Quod 
fiducialiter insinuans fratri suo eum sollicitabat sepius progredi ad 
itinera ciuitatis hospites ad hospicium conuitare. Cum igitur qua- 
dam die dictus episcopus post pluuiarum impe|tus extra ciuitatem 20 
paululum processisset, uidit uenientes sanctum Caprasium et suos 
socios lento gradu. Quibus reuerenter occurrens supliciter optinuit, 
ut ad suum hospicium declinarent. Quos Annolinus 3 suscipiens 
reuerenter per alterum seniorum sanari fiducialiter sperabat 4 . Cura- 
que uiri Dei profusi imbribus frigore rigerentur, Annolinus com- 
passione commotus sanctos hospites ad ignem accedere propius 
inuitabat, supplicans Honorato, qui obsequiosus pre ceteris apparebat, 
quod portaret eum eminus extra larem, ut ad ignem | se possent 25 
ipsi hospites liberius recreare. Honoratus igitur hunc aridum cupiens 
ad suum grabatum, quod 6 erat in ipsius domus angulo, asportare, 
quam cito illum tetigit, subito corpusculum aridum diuinitus irri- 
gatum adeo fuit totaliter solidatum, ac si Annolinus infirmitatem 
nullatenus habuisset. Annolinus se sanum perfecte senciens, euulsus 
a manibus Honorati tenuit pedes eins eos humiliter osculando. 
Honoratus uero credens hunc aridum lapsisse a suis manibus 
propter nimiam confracturam | eum erigere conabatur. Annolinus 30 
attamen Honorati pedes amplectens flebiliter proclamabat: „Non te 
deseram, sancte pater, quia tuis meritis sum sanatus.“ Audientes 
autem episcopus et uiri ciuitatis 6 Annolini clamores tenentis uio- 
lenter genua Honorati, credentes consuetis passionibus agitari in- 
ducebant illum ad padenciam et silencium propter sanctos. Qui 
consurgens celere se sanum exhibuit uniuersis, referens, qualiter 
per Honoratum sanatus fuerat solo tactu. Videntes igitur, qui 
aderant, miraculum uiri Dei curabant propere | hoc infirmantibus 35 
nunciare, qui, quo melius poterant, accedentes, sanctorum fimbrias 

1 R Julianus — ’ Pv Anolinus — 8 PR hier und an allen folgenden 

Stellen Anol . . ., dgl. in v, so oft der Name vorkommt — 4 D ver- 

sehentlich spabat — * PR qui — • PR vicinj statt uiri ciuitatis, f: li 

ve2in 


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58 


attingentes ilico sanabantur. Aggrauante sanctos accedentium multi- 
tudine cum tumultu, ne eos uanis laudibus hominum hostis callidus 
macularet, secrete ruentes per posticum ad montem nemorosum, 
eiusdem ciuitatis 1 uicinum, positum ad orientem concite fugierunt 
et hinc inde siluain Mauritanam prosequentes usque ad noctis 
tenebras ambulando ad locum, qui A gathon 2 dicitur, deuenerunt. 
pag. 14 Mane igitur consurgentes | Deum humiliter inuocabant, ut demon- 

straret illis locum, ubi ei 3 libere deseruirent. Et ecce lupa candida 
cum catellis suis astitit iuxta illos eos inuitans ad progressum. Qui 
lupam paululum per asperam congeriem prosequentes ad antrum 
supra mare positum 4 deuenerunt prebens pro necessitatibus aquam 
uberem, habilem ad potandum. Videntes itaque uiri Dei ad diui- 
5 num obsequium aptum locum, erigentes titu|lum Deo immaculatum 
sacrificium obtulerunt, ubi construentes Oratorium sincere Domino 
seruiebant. 

IX. Cumque Iulianus, Foroiuliensis 5 episcopus, in Domino ob- 
dormijsset, inter ciues pro electione futuri pastoris grandis sedicio 
concitatur. Erant enim inter eos plurimi Manichei catholicum an- 
tistitem recipere recusantes, sed cedente locum falsa seductione 6 
catholice ueritati omnium una uox communiter prouulgatur, quod 
uellent antistitem Leuncium 7 heremitam. Ciues uero sollicite dis- 
10 currentes per Maurita|ni 8 nemoris latebrosa conuallia , sicut placuit 
Creatori, ad sanctorura habitaculum deuenerunt et rapientes sanctum 
Leuncium 9 renitentem eura uiolenter cum multis clamoribus et ulu- 
latibus ad Foroiulium adduxerunt. Ubi penitus resistenti fuit in- 
iunctum diuinitus acquiescere precibus populorum. Qui tirnide adiens 
pontificis dignitatem Manicheorum errores penitus extirpauit catho- 
licos roborando. Viennensi 10 auiem ecclesia destituta pastore cum 
uniuersus populus ad ecclesiam beati Mauricij accessisset et diuersi 
15 diuersos prefici postu|lassent, tandem custodem sancti Mauricij 
appellantes promiserunt eidem, quemcumque uellet, in antistitem 
acceptare 11 . Prostratus igitur custos ante sepulcrum beati Mauricij 
cum multitudine electorum uirorum flebiliter iraplorabat sibi insi- 
nuari a Deo, quem preficerent in pastorem. Quibus uox clara et 
distincta diuinitus insonuit ter dicendo: „Maguncium 12 heremitam 
uobis preficio in pastorem.“ Et subito consurgentes Maguncium 
requirebant. Quem cum diuersi per diuersa loca et multa tempora 
20 quesiuissent, eorum aliqui apud Foroiulium | deuenerunt a sancto 
Leuncio 13 antistite requirentes consilium ex quesito. Quos benigne 
sanctus Leuncius 14 suscipiens eis beatum Maguncium patefecit. Cum 
quibus ad sanctos heremitas properans collatione premissa sancto 

1 D versehentlich ciuitis — * P Agaton — 3 so PR, ei fehlt D 

— 4 in D vor positum ein durchstrichenes pore — 6 D versehentlich 

Foriuliensis — 8 D versehentlich seductone — 7 P Leoncium, R Leon- 

tium, v Leontius — 8 P Mauri — 8 Pv Leoncium, R Leontium — 

10 so DPv, R Vianensis — 11 so PR, D läfst acceptare aus — 13 R 

Maguntium, v Magonciura — 13 PRv Leoncio — 14 PR Leoncius 


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59 


Maguncio, quod diuinitus insinuatum fuerat, intimauit. Sanctus uero 
Maguncius antistitis monita moleste sufferens cum non acquiesceret 
blandimentis, sancto Caprasio iraperante, qui rei euentum predixerat, 
annuit ualde tristis. Accedens igitur sanctus Maguncius ad ciui- 
tatem Uienne pontificale officium ex|cercuit uigilanter, confouens 25 
christianos pabulo uerbi Dei, informando eos opere et sermone. 

Cuius doctrina et predicatio uniuersam Galliam illustrabat. Venan- 
cius igitur indolis delicatus Deum ardentissime obsequendo cum 
suum corpusculum multis uigilijs et uarijs abstinencijs afflixisset, 
passiones nequiens ulterius subportare decidit in lectum infirmatus. 

Quem cum importuna infirmitas cruentissime attractaret, eius uenus- 
tus uultus, angelicus, mansuetus, mitis et ylaris non | paruit iramu- 30 
tatus. Qui cum crebrius torqueretur, subridens mite consolabatur 
socium atque fratrem. Honoratus igitur cum uideret suum unicum 
fratrem exinanire penitus, crudelissime torquebatur. Sanctus uero 
Caprasius confractus senio et languore, morientis et uiui prospiciens 
passiones dire amaritudinis gladio figebatur, qui iuxta geminos 
longeua annositate 1 contractus, persistens totus decrepitus lugubri 
mugitu boando replebat questibus auras et antrum. Erat enim 
Uenancius | elegantissima forma et statura ac speciosus ualde, nec 35 
erat in corpore uel anima maculatus, docibilis, aptissimus docu- 
mentis, humilis, mansuetus, obsequiosus, semper cum socijs ylaris, 
uerax et 1 parum et rationabile loquens ac uerecundus, tanta memoria 
et ingenio ac perfecta seien tia diuinitus decoratus, ut ex omni re 
dubia ilico demonstraret lucide ueritatem. Qui cum aliquamdiu 
languisset, assumpsit eum Dominus, cui fuerat dedicatus. Cumque 
Honoratus uideret sui fratris | animam celorum culmina penetrare, pag. 15 
erectus, quanto altius potuit, ad sidera tollens manus totis uiribus 
lacrimabiliter proclamabat: „Cur me, frater, deseris, quem semper 
fueras subsecutus? Cur me procedis ad mortem, cum me tua mors 
ilico connecabiti Cur non compateris misero, quem atrox mors, ut 
crebro me feriat 3 , ferire prorogat, ut confestim atrocius me con- 
figat?“ Cum igitur diuina claritas | beati Uenancij animam ab 5 
Honorati* intuitu sustulisset, super extinctum corpus corruit Hono- 
ratus figendo oscula, lacrimas proflue profundendo, crudeles questus 
emittens. Sanctus uero Caprasius lugebat mortuum ot propter ex- 
tremam decrepitatem non ualebat semiuiuum nimia amaritudine con- 
solari. Qui cum diu iuxta corpusculum laraentassent, apparuit eis 
archangelus Michael, qui animam beati Uenancij coram Deo presen- 
tauerat; consolando Honoratum indixit sanctum Capra|sium post 10 
biduum transiturum. Transit igitur sanctus Caprasius ad optata 
gaudia supernorum, et remansit cum feris ferus et solitarius Hono- 
ratus amens et confusus, et non erant ei solacia nisi lacrime, sus- 
piria et singultus solito pari consortio destituto. Cumque diu tetrice 
lamentasset, prosiliens trucitcr expulit se eminus extra criptam 

1 so PR, D animositate — * in P fehlt et, in R ist es nachträglich 
ausradiert — * D versehentlich freriat — 4 in D hinter Honorati durch- 

stochenes animam 


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6 o 


anxie et flebiliter proclamando. Cumque furens maritimam perlu- 
strasset contra mortem questus flebiles proponendo, que illum recipi 
15 repndiauerat | cum Uenancio et Caprasio, deuenit ad locum, qui 
Agathon nuncupatur. Ulis enim litoribus aplicuerant cum nauicula 
tres nequissimi Manichei. Qui prospicientes de prope uirum Dei 
dixerunt adinuicem: „Hic est Leuncij 1 socius, qui destruit nostram 
sectam!“ Et irruentes in eum fustibus, quos gestabant in manibus, 
uerberatum et affectum plagis uehementer relinquunt in litore semi- 
uiuum. Post que immanissimi Manichei cum parassent discessum, 
20 prospexerunt Honoratum paululum palpitare, et ait unus | eorum, 
qui dicebatur Lambertus: „Certe, si hic euaserit, Leuncio 2 * erit 
peior et consummabit penitus reliquias nostre secte.“ Et cum ad 
interficiendum eum gladium rapuisset, dixit alter eorum, qui uoca- 
batur Ueranus: „Non occidas eum, sed ponamus eum 8 in insula 
Auriana, ubi in nostra presencia morte turpissima deuorent hunc 
serpentes!“ In illam enim insulam confugerant incole Attrapenses 4 , 
cum Karolus percuteret ciuitatem, sperantes euadere gladium furen- 
25 tem. Quos ualide subsequentes catholici seuientes penitus | iugula- 
runt. Ob quorum corpora deuoranda ibi ex omnibus circum- 
stantibus nemoribus aduenerat serpencium multitudo. Inter quos 
due ingentes serastes aduenerant, quarum una Lirus et alia Rinus 
dicebantur, que pre ceteris colubris tanta crudelitate seuiebant, ut 
discurrentes ad litora firme terre boues et equos et quandoque 
homines rapiebant et deuorandos ad insulam deportabant et sepe 
nauiculas, ut raperent nauigantes, sequebantur per mare. Ob quarum 
30 ferocitatem 5 Lirinus dicta insula dicebatur, | ubi habitabant insidiose 
Lirus 6 et Rinus. Quod cum omnibus placuisset, resumunt plagis 
et liuoribus maculatum et remigantes uiriliter impellunt Honoratum 
propere in litore Lyrinensi 7 et discedentes celeriter clamoribus 
incitabant serpentes ex insula ad hominem deuorandum. Commota 
clamoribus serpencium multitudo ad uirum Dei properat cum terri- 
bili strepitura. Tantus enim insurr exit subito rugitus et sibilus 
colubrorum, quod naute, qui distabant a litore, ut Honoratum 
35 cernerent deuorandum, exterri|ti® terrore nimio uix se poterant con- 
tinere. Honoratus uero audiens serpencium crepitantium cachinnum, 
sibilum et frendorem ait intra se: „En nunc in uita mors me reci- 
piet, que cum sanctis socijs me recipere refutauit!“ Qui cum 
optate morti obuius processisset, irruentes undique serpentes cum 
tumultu horribili circuierunt circiter uirum Dei. Prospiciens itaque 
Honoratus formas terribiles colubrorum, dentes uorabiles, frendentes 
pag. 16 linguas eorum uehementer expauit, et respiciens circum|circa, si 

1 PR Leoncii — * PR Leoncio — • eum fehlt PR — 4 R Atre- 

penses — 5 D versehentlich ferocitate — • P Lyrus — 1 P Lirinensi, 

R Lirinesi. Bei den häufig vorkommenden Wörtern Lyrinensis und Lyrinus 

schreibt fast regelmäfsig D Ly-, PR Li-. Sobald im folgenden diese Ver- 

teilung zutrifft, werde ich die Varianten nicht besonders angeben; wohl aber 

wird jede Ausnahme vermerkt werden. Auch v schreibt Ly-. — 8 D ver- 

sehentlich eterriti 


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Original fro.m 

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6i 


refugium uel auxilium preberetur, cum nullam uideret salutem, uires 
diffugiunt a 1 corpore indefenso, et suplex inuocans auxilium Ihesu 
Christi operto capite se tradidit deuorandum. Et repeute assistunt 
iuxta eum sancti Caprasius et Uenancius 2 exanimem confortantes. 
Quos Honoratus agnoscens ilico reuiuixit et caput erigens celere 
prospexit eos ut fulgura coruscantes. Cui Uenancius 3 : „Cur iras- 
ceris, bo|ne frater, et frustra te conteris propugnator futurus contra 5 
hereses seuientes et incitas Creatorem portans impacienter diuinitus 
ordinata, cum sicut uides, quam perfecte nos glorificauerit Dominus 
Ihesus Christus et pro labore exiguo remunerauerit? Confortare 
et esto robustus! Tibi experiri restant in agendis grandia prepa- 
rare.“ Audiens uero Honoratus, que dixerant sibi sancti, confide- 
bat eorum presidio defensari. Quos rogabat instanter, ne illum 
relinquerent et eum subriperent a morsibus colubrorum. | Cui sancti: 10 
„Tecum enim inuisibiliter perpetuo permanemus, pro te et tuis socijs 
et successoribus coram Deo continue obsequendo. Surge et con- 
fortare! Magnum enim ministerium restat tibi In tuo aduentu 
benedixit Deus insulam Lyrinensem 4 . Serastes igitur et serpentes, 
quos uereris, occides et superabis signaculo sancte crucis. Cum 
uero hanc insulam mundaueris a serpentibus et spurcicijs eorundem, 
ad honorem sancti Petri in ea ecclesiam fabricabis, qui pro te et 
tuis socijs Deum assidue deprecatur, quem Deus | huius insule et 15 
habitancium in ea constituit protectorem.“ Quibus Honoratus 
respondit: „Pro quibus meis socijs asseritis apostolum deprecari, 
cum solus hic resideam et nemo me preter colubros 5 comitetur?“ 

Cui sancti dixerunt: „Illi enim, qui te ad hanc insulam beatissimam 
adduxerunt, ad te uenire laborant, qui tecum et post te hanc in- 
sulam per multa tempora feliciter gubernabunt Et cum hic Domi- 
nus tecum 6 plures alios suos famulos adunauerit, in medio arborum 
palmarum fodias et uberanter aqua de silice emana|bit. u Et hijs 20 
dictis disparuerunt ab eo. Honoratus igitur Deo reddens gratias 
ex prouentu surrexit intrepide et signo crucis uniuersos serpentes 
et serastes occidit. Ex quorum cadaueribus cum foret tota insula 
infiscata, prosternens se humiliter Honoratus Dominum precabatur, 
ut a 7 predictis cadaueribus insulam expiaret Qui consuigens cum 
mare cerneret fluctuare et excedere terminos consuetos, ascendit 
arborem palmarum 8 , que in medio insule persistebat Mare uero 
diuina uirtute tume|scens per uniuersam insulam suas undas expandit 25 
et eam ab omni contagio expurgauit. Quo facto restrinxit fremitum 
ad sueta. Descendens uero ab arbore Honoratus per litora ambula- 
bat Naute tarnen cuncta uiderant, que Deus per beatum Honoratum 
ibi operatus fuerat; contriti et conterriti accedebant ad insulam 
penitentes. Cumque uenissent ad litus, prosternebant se ad pedes 
Honorati ueniam flebiliter postulantes. Quos beatus Honoratus erigens 

1 so PR, a fehlt in D — * R Venancius — * R Venandus — 

4 so DR — 6 so P, DR fälschlich colubres — • so PR, tecum fehlt 

D — 7 so PR, a fehlt D — 8 PRv palme 


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62 


30 reuerenter osculabatur dicens: „Deo gratias referamus, | qui nos 1 
ad hanc beatam insulam perduxit! Mecum enim hic Domino 
seruietis.“ Et retulit eis, que dixerant sibi sancti, et benedicens 
eos cum eo facti sunt heremite, et cum cibum triduo non sump- 
sisset, obtulerunt ei panem et piscem et benedicens cum gaudio 
comederunt. Postmodum remigantes properauerunt ad Oratorium, 
ubi sanctorum corpora persistebant. Que una cum uenerabilibus 
reliquijs, quas ipsi sancti coluerant reuerenter, suscipientes ad Ly- 
35 rinensem 2 insulam deportarunt. Interim uero concurrentibus supra-| 
dictis sanctus Maguncius una cum Turpino, Rothomagensi 3 antistite, 
pro pace tractanda quarundam urbium cum foret ad Karolum desti- 
natus, sanctos consocios fere per annum distulerat uisitare. Quem 
Karolus cognoscens de statu sanctorum cum instancia requirebat 
Obsidebat eo tempore urbem Narbonensem persistens de uictoria 
optinenda 4 desperatus. Cui dixit sanctus Maguncius: „Si perfecte 
credis in Deo et in sanctorum meritis, quos uidisti, cras in hac 
pag. 17 hora capies ciuitatem.“ Karolus uero cre|dens firraiter, que pre- 

dixerat sibi sanctus Maguncius 5 , confidens predictorum sanctorum 
meritis suos exercitus ad prelium commutauit. Et hora predicta 
terre motus concuciens ciuitatem menia corruerunt, quam catholici 
subintrantes absque gladio captauerunt. Karolus itaque erga pre- 
dictos sanctos faclus deuocior ex deuoto *, manu propria conscribens 
5 cedulam eis, que Deus eorum meritis sibi fecerat, | indicauit. Sanctus 
uero Maguncius sue legationis officio completo ad sanctos suos 
consocios properabat. Et dum peruenisset ad Cometum 7 , opidum 
regionis Regensis, recepit eum reuerenter Augerius quidam, uir 
generosus, cui erat filius nomine Maximus, nomen rei conueniens, 
maximus enim erat sapiencia, moribus et doctrina. Qui infirmatus 
languerat temporibus diuturnis. Cumque sanctus Maguncius narraret, 
quanta Deus per sanctorum suorum merita consociorum fuerat per- 
10 petratus, ex hijs filius nobilis animatus illuc | se deferri afiectionem 
patriam implorabat. Quod Augerius moleste sufferens abnegabat. 
Beatus uero Maguncius cognoscens futuram sanctitatem iuuenis 
fructuosam dixit ei: „Quid desideras sanctorum meritis optinere, ut 
patrem tuum uelis tarn longis laboribus fatigare?“ Cui iuuenis: 
„Ut sanctorum meritis celeriter morerer uel reciperem sanitatem. 
Triennio enim, sicut prospicis, sum afflictus et mori opto potius 
quam languescere tali uita.“ Tune beatus Maguncius imponens 
15 manum super caput | iuuenis dixit ei: „Si credis, que profers, prestent 
tibi sanctorum sociorum meorum merita sanitatem!“ Et confestim 
solidate sunt bases eius et distenti nerui pedum et manuum, qui 
fuerant corrugati. Et prosiliens incolumis persistebat. Properans 
postmodum Maguncius 8 cum Maximo ad Foroiulium deuenerunt. 
Quos sanctus Leuntius 9 letanter suscipiens uersus sanctos cum eis 

1 hinter nos in D durchstrichenes al — * so DR — * P Roto- 

magensi — 4 PR obtinendi — 5 der Name fehlt in P — 4 so PR, 

ähnlich f; D ex deuotione halte ich für falsch — 7 PR Comecum — 

8 P Maguntius — 8 PR Leoncius 


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Original from 

UNIVERSITYOF CALIFORNIA 



63 


dirigit gressus suos. Qui cum ad Oratorium deuenissent, ubi crede- 
bant sanctos socios reperire, locum uacuum inuenerunt. Stupen|tes 20 
itaque ex euentu sese confuse nimio deuultabant. Cum igitur diu 
argumentassent circa discessura sanctorum ac latebrosa conuallia 
perlustrassent, cum nullum sanctorum uestigium reperirent, inceperunt 
flebilibus ululatibus proclamare, et prostrati in terra pugnis et cir- 
cumraptis stipulis unusquisque se percutiebat et potissime sanctus 
Leuncius 1 , qui euentum, cum uicinus existeret, nesciuisset. Cumque 
diu se sic afflixissent, surgentes uacabant (!) per nemora, si com- 
mutati alibi quaque causa sanctorum ues|tigium inuenirent. Cum 25 
uero ascendissent in cacumine montis, qui Stelel 2 dicitur, et circum- 
circa prospicerent, uiderunt ex Lyrinensi insula secundum dimensi- 
tatem insule procedere igneara columpnam celorum culmina contin- 
gentem. Cumque diu attenti assisterent ad prouisum, estimati sunt 
ueritatem assistere illic sanctos. Qui per aspera decliuia 3 properantes 
ad raare inuenerunt in litore duas nauiculas piscatorum stupencium 
ex columpna ignea Lyrinensi 4 . Quos induxerunt hij antistites, ut 
cum | eis ad insulam accederent et discuterent uisionem. Celeriter 30 
itaque ad Lyrinensem insulam properantes uiderunt e longinquo et 
agnouerunt in litore Honoratum et subrapti in spiritu, cum se non 
possent pre gaudio continere, inceperunt super aquas occurrere 
Honorato. Quos letanter in osculo pacis suscipiens Honoratus facti 
euentum et seriem enarrauit. Naute uero uiriliter remigantes carptis 
litoribus se prostrauerunt ante faciem Honorati. | 35 

1 PR Leoncius — * so PR, D versehentlich Stetei — 8 so R, 

D decliua, P declinia — 4 so DP 



(Es folgen die Kap. X — XLIX sowie ein alphabetisches Verzeichnis der 

Eigennamen.) 




Lebenslauf. 


Ich, Bernhard Munke, wurde geboren am 8. Oktober 1888 zu 
Erfurt als Sohn des Eisenbahn-Bureau-Assistenten Paul Munke und 
seiner Ehefrau Emray, geb. Knauff. Von Ostern 1898 ab besuchte 
ich das Kgl. Realgymnasium meiner Vaterstadt, das ich Ostern 1907 
mit dem Zeugnis der Reife verliefs. Seitdem widmete ich mich in 
Halle dem Studium der neueren Sprachen und der Geschichte. 
Das Rigorosum bestand ich am 28. November 1910. Vorlesungen 
hörte ich hauptsächlich bei den Herren Dozenten: Bauch, Bremer, 
Busse, Counson, Ebbinghaus, Fester, Förster, Fries, Havell, Held- 
mann, Kattenbusch, Lindner, Loofs, Menzer, Meumann, Ritter, 
Schädel, Schultze, Suchier, Uphues, Wagner, Zachariae. Zu be- 
sonderm Danke bin ich Herrn Prof. Suchier verpflichtet, der mich 
zu vorliegender Arbeit angeregt und bei deren Ausarbeitung mit 
Rat und Tat unterstützt hat. 


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